Die Pfarrer zu Großen- und Klein-Linden.

Aus vorevangelischer Zeit sind nur sehr lückenhaft aus unterschiedlichen Quellen die Namen einiger Geistlicher (Pleban / viceplebanus / Altarist / usw.) in Großen-Linden bekannt. Hier verweise ich auf das 1990 von Frau Marie-Luise Westermann zusammengestellte Buch:
Aus alten Zeiten Die Geschichte Großen-Lindens und des Hüttenbergs
Von Pfarrer Otto Schulte.

Wenn nicht anders erwähnt, stammen auch die kursiven Teile in diesem Kapitel aus diesem Buch.

In Hessen wird 1527 die Reformation eingeführt. Danach sind alle Pfarrer in Großen-Linden bekannt, auch die Diakone, die zuerst gleichzeitig Pfarrer in Hörnsheim, später in Allendorf waren.

Es ist bisher nicht eindeutig festzustellen, ab wann Lindes durch einen Privatvertrag mit der Pfarrei Großen-Linden verbunden war, später war es „normale“ Filialgemeinde. Einige Autoren, die über Lindes geschrieben haben, belegen, daß Lindes vorreformatorisch (eine Zeit lang?) kirchlich von Heuchelheim versorgt wurde.

Etwa Rudolf Weigel in seiner Arbeit „700 Jahre Klein-Linden“, erschienen in

„75 Jahre Freiwillige Feuerwehr Gießen-Klein-Linden“. Dort schreibt er: Die Bewohner [von Lindes] werden kirchlich von Heuchelheim versorgt, denn nach einer Urkunde von 1304 müssen die dortigen Pfarrer die Messe auch in der Kapelle von Lindes lesen. Als Quelle nennt er: Dr. Zwingel, W. E., Die Pfarrgemeinde Heuchelheim. Heimatbuch f. d. ev. Dekanat Gießen, 1954. [an anderer Stelle: ...daß nach einer Urkunde von 1304 des Klosters Altenberg bei Wetzlar die damaligen Pfarrer von Heuchelheim die Messe - außer in Allendorf und anderen Orten - auch in der Kapelle von Lindes lesen müssen. Das Patronat über Heuchelheim haben die Landgrafen von Hessen, während die kirchlichen Oberbehörden unserer Nachbargemeinde zu dieser Zeit das Dekanat Wetzlar, das Archidiakonat der Lubentiuskirche in Dietkirchen und das Erzbistum Trier sind. - Lubentius war im 4. Jahrhundert vom Erzbischof von Trier zum Priester geweiht worden und an Mosel und Lahn tätig. Im 8. Jahrhundert wurden seine Gebeine nach Dietkirchen gebracht. Auch hier ist obige Quelle angegeben.

Sicher ist, daß das Marienstift Wetzlar großen Grundbesitz in Lindes hatte, wesentlich mehr als zum Beispiel das näher gelegene Kloster Schiffenberg. Noch bis zur Ablösung alter Abgaben (vor 1840) waren von zahlreichen Grundstücken in Lindes Zinsen und Gefälle „an die Pfarrey Wetzlar“ als dem Inhaber von Bodenrenten aus früherer Zeit zu zahlen, neben Geldzins auch Korn, Hafer, Gänse und Hühner schreibt Friedrich Wilhelm Weitershaus in Klein-Linden  Geschichte und Gemarkung, Seite 23. Er berichtet auch, daß um 1400 in einem Inhaltsverzeichnis mit den Ortsangaben der Besitzungen und Gülten, das dem älteren Kopiar der Stiftspräsenz vorgeheftet ist, „Lyndes, granarius XIX“ vor „Gießen, Kruppach XX“ und „Kynczenbach XXI“ genannt wird. Ein granarium, ein Kornspeicher des Stifts, wird 1305 erwähnt, und es könnte, da Korn und Gülte auf das nahe Allendorf bezogen sind, derjenige in Klein-Linden gemeint sein (Wetzlarer Urkundenbuch III, S. XIV und Nr. 1191, S. 662).

Pfarrer Hepding schreibt in seinem Aufsatz: Zur Kirchengeschichte von Großen-Linden, in Mitteilungen des Oberhessischen Geschichtsvereins 1901, Band X, zu diesem Thema:

Die Zeit, in der das Christentum in Großen-Linden Eingang gefunden, ist quellenmäßig nicht genau zu bestimmen. Vielleicht ist das schon durch den heiligen Lubentius (Vgl. Vita Lubentii A.S. Boll. Oct. VI p. 202. 9 Von Dietkirchen aus verbreitete sich das Christentum nach Würdtwein, Dioec. Mog. IX. 270 {s. auch Kraft, Geschichte von Gießen § 4}, und es wurden nach und nach 200 Kirchen errichtet, welche ihres hohen Alters wegen mit dem Namen „Mutterkirchen“ bezeichnet und in 6 Dekanate zusammengefaßt wurden. Zu dem Dekanat Wetzlar gehörten im Ganzen 64 oder 65 Mutterkirchen, darunter besonders Wieseck, Odenkirchen, Wismar, Gießen[hier muß dann Selters gemeint sein?], Schiffenberg und Großen-Linden.), einen Schüler des Martin von Tours und neben Castor Priester unter dem Trierer Bischof Maximin, von Dietkirchen aus im 4. Jahrhundert geschehen, wahrscheinlicher aber erst durch Bonifatius, welcher in Thüringen und Hessen (Ober= und Niederhessen), auch unter den „Wedrevern und Lognaeern“ (Wetterauern und Lahngaubewohnern) von 720-735 mit Hülfe der aus England berufenen Genossen Lul, Denehard, Burchard, Wiehbert, Wigbert, Wunnibald und dessen Bruder Willibald und der Liobe oder Liobgyth, seiner Verwandten, das Evangelium predigte und in Hessen eine Provinzialkirche gründete, die alle übrigen Kirchenprovinzen des fränkischen Reichs an religiösem wie an geistigem Leben übertroffen haben soll. (S. 66)

Großen-Linden gehörte bei der weiteren Entwicklung der kirchlichen Verhältnisse im Mittelalter zum Erzbistum Trier und zu dem darin gelegenen Archidiakonate Dietkirchen. Es war dem diesem letzteren untergeordneten Wetzlarer Ruralkapitel zugeteilt, dessen Dekan Archipresbyter hieß. (S. 73)

Klein-Linden, das im Anfang ganz nach Großen-Linden gehörte, dessen Toten sogar auf dem hiesigen, um die Kirche gelegenen ältesten Friedhof der Gemeinde, auf dem angewiesenen Platze „dem Lindeser Friedhof“ beerdigt wurden, erhielt, nachdem es sich 1613 seine Kapelle errichtet, erst zwischen 1621-1647 infolge eines Privatvertrages eigenen sonntäglichen Gottesdienst durch den ersten Großen-Lindener Geistlichen, der zum Unterschied von dem zweiten „Pfarrer“ bis auf den heutigen Tag noch „Pastor“ genannt wird und den Dienst auch jetzt noch in Klein-Linden, das sich 1866 ein neues, freundliches Gotteshaus erbaut hat und inzwischen zu einer großen Gemeinde mit weit über 1500 Seelen angewachsen ist, von Großen-Linden aus in geordneter Weise vollzieht. (S. 73)

Hier bezieht sich Pfarrer Hepding offensichtlich auf das 1817 von Pfarrer Hoffmann veröffentlichte Büchlein Feier des dritten Evangelischen Jubelfestes zu Gros= und Klein=Linden. Ganze Textpassagen sind identisch.

Diese Angaben sind durch spätere Forschungen überholt. Teilweise sind sie auch verwunderlich, denn an anderer Stelle bezieht sich Hepding auf das Salbuch von Pfarrer Stockhausen von 1568, siehe unten. Auch nennt er selbst in einer Anmerkung Urkunden zu Lindehe, 1370 und Lindes, 1391.

Daß es vor 1613 in Lindes schon eine ältere Kapelle gegeben hat, belegen Rudolf Weigel, siehe oben, und zwar 1304, und Friedrich Wilhelm Weitershaus, am angegeben Ort, Seite 90:

90 Die Kirchen [Flurnamen]

Eine ältere Kapelle in Lindes wird 1568 und 1577 erwähnt: „... ein geringes Holzkirchlein“ auf dem alten Friedhof, „das kaum 20 Personen faßte“ (nach Joh.Wolf Weitolshausen gen. Schrautenbach, Hauptmann zu Gießen, an Lg. Ludwig in Darmstadt im Jahre 1612). Danach wurde im Oktober 1612 mit Steinbrechen und Fuhren für den neuen Kirchenbau begonnen. „Anno Domini 1613 den 13 Abrilis zwar der erste Stein zu dem Kirchen Bauwe geleget, war durch Philibs Schmit, Abel Bintz, beide Baw Hern sint turch die Oberkeit auserkorn“; zwar = mhd. ze ware, zware „(wurde) wahrlich, wahrhaftig, wirklich“; Wortlaut auf einem Sturz dieser zweiten Kirche, heute eingemauert an der neuen Friedhofskapelle Klein-Linden. Nach 250 Jahren, 1862, wurde diese Kirche auf dem alten Friedhof abgebrochen und die heutige 1865-1867 an der Kirchstraße, damals Ausgang des Ortes, erbaut.

Vorher hatte Pfarrer Hepding auf Seite 71 selbst geschrieben: Was die Collatur der Pastorei Großen-Linden betrifft, so weist der Katzenellenbogen´sche Vertrag vom Jahr 1452 nach, daß Hessen Eigentümer derselben war. Über diese Collatur entstand 1543 ein sehr heftiger Streit zwischen Hessen und Nassau, indem letzteres Mitcollator zu sein behauptete. ....

Die näheren Orte wie Hörnsheim, Leihgestern, Lang-Göns, Allendorf und Klein-Linden [!!] ließ der Pastor vom Mutterorte aus mehrmals im Jahr durch Kapläne versehen oder bediente sie manchmal selbst mit Predigt, Austeilung der Sakramente, Messen usw., während die Bewohner für gewöhnlich hierher zum Gottesdienst kamen.

Am sichersten läßt sich das kirchliche Verhältnis der drei Kapellen [!!] Leihgestern, Hörnsheim und Klein-Linden [!!] zur hiesigen Mutterkirche bestimmen. Die Angehörigen derselben besuchten noch lange nach der Reformation allsonntäglich das hiesige Gotteshaus, ihre Kinder kamen hierher zur Schule und in ihren Kapellen erhielten sie ein- oder zweimal wöchentlich Predigt oder Betstunde, die Spendung der Sakramente wohl nur ausnahmsweise.

Nachdem dann das Verhältnis zu Leihgestern und Hörnsheim beschrieben wird, folgt obige Aussage zu Lindes.
Wenn auch die Mitteilungen zu Lindes sehr fraglich sind, so ist die gesamtkirchliche Entwicklung sehr gut geschildert:

Nach der Reformation wurde auf Befehl des Landgrafen Philipp des Großmütigen das hessische Land in 6 Superintendentursprengel eingeteilt, welchen 6 Supperintendenten vorstanden. Als Sitz nennt die Superintendenturordnung von 1537 Marburg, Kassel, Alsfeld, Rotenburg, Darmstadt, St. Goar, während die Kirchenordnung von 1566 statt Darmstadt Gerau nennt. ...

Das „gemeine Land an der Lahn“, die Hüttenberger Pfarrer gehörten zur Superintendentur Marburg. Nach dem Salbuch Großen-Lindens vom Jahr 1568 war damals M. Kaspar Tholde(a) Superintendent in Marburg, auf den Heinrich Leuchter, der heiligen Schrift Doctor, Pfarher und Sup. zu Marpurg gefolgt ist.
Weiter ist dem Aufsatz zu entnehmen daß der „Pastor Gissensis, hessischer Superintendens“ Jeremias Vietor schon von 1594 bis 1602 Vicesuperintendent bei Leuchter war, auch in der Alsfelder/Niddaer Superintendentur Visitationen und andere dergleichen Sachen versah. Nach dem Tod des dortigen Stelleninhabers Nigrinus wird am 13.10.1602 Vietor vom Landgrafen zum Superintendenten von Alsfeld befohlen. Gießen und Umgebung werden von Marburg getrennt und Alsfeld zugeschlagen, Vietor wohnt weiter in Gießen.

1604 wurde bei dem Tode des Landgrafen Ludwig Oberhessen Darmstädtisch, und Großen-Linden gehört von da an zu der Hessen-Darmstädtischen Superintendentur Gießen. Diese bestand bis zum 06.06.1832, wechselte dabei aber mehrmals ihren Namen. An diesem Tag wurde die gesamte Hessen-Darmstädtische Landeskirche durch Edikt dem Großherzoglichen Oberkonsistorium zu Darmstadt untergeordnet. Danach gab es nach Hepding nur 3 Superintendenturen: Starkenburg, Rheinhessen und Oberhessen, letztere mit dem Amtssitz jetzt in der Residenz selbst. Dies war auch noch 1901 der Fall. Abschließend schreibt Hepding noch: Früher bildete Großen-Linden nebst weiteren 10 evangelisch-lutherischen Pfarreien ein selbständiges Dekanat, jetzt gehört es zum Dekanat Gießen, das außer der Stadt selbst mit ihren 4 Gemeinden (nach den 4 Evangelisten benannt) 20 Pfarreien - Großen-Linden mit seinen 2 Pfarreien natürlich eingerechnet - mit 32 Landgemeinden umfaßt.

Soweit zur „gesamtkirchlichen“ Entwicklung. Nun wieder zurück zu unserem Lindes.

Sicher ist demnach die kirchliche Versorgung, von Heuchelheim ausgehend, mindestens ab dem Jahre 1304, wobei in diesem Jahr eine Kapelle in Lindes stand. Ob diese identisch ist mit dem 1568 und 1577 genannten „Holzkirchlein“, oder ob sie zwischendurch erneuert wurde, ist nicht feststellbar. Ich gehe davon aus, daß die von Schulte zitierten Eintragungen im Salbuch des Pfarrers Stockhausen, 1568, zutreffend sind, und Lindes zumindestens ab seiner Amtszeit kirchlich von Großen-Linden aus versorgt wurde. Vielleicht ist aber der „Privatvertrag“, nachdem Lindes vom „Pastor“ oder „ersten Pfarrer“ mit „eigenem sonntäglichen Gottesdienst“ versorgt wurde, wirklich erst zwischen 1621 und 1647 geschlossen worden. Das wäre dann in der Amtszeit von Pfarrer Balthasar Müller gewesen. (Überraschenderweise deckt sich der von Hoffmann und Hepding genannte Zeitraum genau mit seiner Amtszeit.) Eine vorstellbare Ursache für diesen Privatvertrag könnte Unzufriedenheit der Lindeser über die vorherige Versorgung gewesen sein. Dieser Annahme, daß der Privatvertrag eine zusätzliche Einnahmequelle für den „Pastor“ gewesen sei, Lindes aber schon vorher durch ihn und den/die Diakon(e) zu versorgen war, widerspricht aber die Tatsache, daß die Lindeser sonst nichts zum „Kirchenkasten“ in Großen-Linden beitrugen, worüber später mehrfach Streit entbrennt.

Logischer erscheint deshalb die Annahme, daß aus unbekannten Gründen die kirchliche Versorgung durch die Heuchelheimer Geistlichen eingestellt wurden, die Lindeser deshalb gezwungen waren, sich die kirchliche Versorgung „selbst zu organisieren“. Dies wäre aber meines Wissens wiederum ein recht einmaliger Vorgang, der das Versagen der Kirchenbehörden voraussetzt.

Hören wir noch einmal Rudolf Weigel dazu (S. 29/30): 1527 wird durch den Pfarrer Thomas von Schrautenbach die Reformation eingeführt. Zumindest seit dieser Zeit - ob schon vorher läßt sich noch nicht sagen - wird Lindes von den Pfarrern in Großen-Linden kirchlich versorgt. Es wird dadurch zu keinem eigentlichen Filial der dortigen Kirche und hat deshalb auch kein Eigentumsrecht an dem Gotteskasten und an dem Vermögen der Pfarrei. [Anm. 44: Schulte, Otto: M. Ph. Vigelius, Pfarrer in Wetter u. Großen-Linden, ...] Zu allen Hauptgottesdiensten und zum Heiligen Abendmahl müssen nun die Lindeser in die Kirche nach Großen-Linden gehen. Dort sitzen sie auf den für sie bestimmten „Lindeser Bänken“.

.... Noch heute erinnert uns der Name „Kirchpfad“ an den Fußweg, den die Ortsbewohner zur damaligen Zeit benutzten, um zur Nachbargemeinde zu gelangen.

Seite 36/37: In einem Schreiben aus dem Jahr 1612 ersucht der Hauptmann von Gießen den Landgrafen Ludwig von Hessen, „seinen Untertanen in Lindes mit einer Steuer an Frucht oder Geld zu Hilfe zu kommen, da sie ihr geringes Kirchlein mit Hilfe gutherziger frommer Christen und zu Ehre Gottes künftigen Frühling erweitern möchten“. Im Oktober desselben Jahres schreibt der Hauptmann an den Landgrafen, „daß der neue Kirchenbau nunmehr ins Werk gesetzt sei und mit Steinbrechen und Fuhren angefangen worden sei“. Er bittet den Landgrafen, die Lindeser für die Zeit eines Jahres von dem Frondienst zu befreien, „da die Ackerleut zum Lindes nicht mehr als 14 geringer Pferde haben und die Einläufigen (d. s. Leute, die bereits im Ort wohnen, aber das Ortsbürgerrecht noch nicht besitzen) nicht mehr als vier.“ Am 9. Sept. 1613 weiht die Gemeinde ihr neues Gotteshaus ein. Es steht in der damaligen Untergasse, unterhalb der früheren Burgschule. Das Kirchlein hat eine Kanzel, einen Altar und Sitzplätze für Männer und Frauen. [Auch später das von Wredische Familienbegräbnis] In seinem Türmchen, das noch im vorigen Jahr auf der alten Schule zu sehen war, hängen 2 Glocken. Die Orgel wird erst später aufgestellt. 1653 läßt ein Studiosus Faust aus Frankfurt eine Sonnenuhr an dem Gebäude anbringen und 1669 stiftet der Hofmeister des Junkers zu Lindes ein neues Altartuch. - Wenn der Friedhof nicht schon früher bestanden hat, so ist er sicher auch 1613 angelegt worden.

Der Großen-Lindener Geistliche ist nicht amtlich dazu verpflichtet, Lindes seelsorgerisch zu betreuen; deshalb wird mit ihm in der Zeit von 1621-1647 ein Privatvertrag ausgehandelt. ...

Von dem adligen Gut erhält der Pfarrer von Großen-Linden - wie schon früher auch - 2 Achtel (= 4 Zentner) Korn Pacht. Durch den Privatvertrag bekommt er nun noch von den 10 Hausgesäßen in Lindes 22 ½ fl. (Gulden) jährlich. Außerdem sammelt er an jedem Gründonnerstag im Ort Eier ein, wobei er die Kindbetterinnen, den Kuh- und Säuhirten verschont. Dazu kommen noch kleinere Einnahmen bei Taufen, Trauungen, Beerdigungen usw. Bei der Konfirmation erhält er z.B. für jedes konfirmierte Kind 12-14 Eier. 1658 insges. 38, in einem anderen Jahr 72. [Quelle: Boßler, A.; Klein-Lindener Volksleben .....]

In den Historischen und genealogischen Notizen von Pfarrer Hoffmann findet sich folgender Entwurf:
Pastores nach der Reformation.
III., M. Balthasar Molitor, oder Müller
ist gestorben 1647 d. 19. Martij . Atat. 57 Jahr
Stund im Amt 26 Jahr
Dieser Molitor war der Erste, welcher sich bewe=
gen ließe, Zuweilen in der Kleinlinder Gemeine
gegen Einen alten Thaler, nach unserer Währung
1 f. 21. to von jedem Hausgesäß, Wittwen und
beysassen nicht ausgenommen, Zu predigen, da
die Kleinlinder Gemeine vorher in die hiesige Mut=
ter Kirche zum Gottesdienst kamen, auch Ihre
Kinder hier zur Taufe brachten, die Toden auf den
hiesigen KirchHof begraben, und die priesterliche
Copulation hier empfangen.

Weiter mit Rudolf Weigel:
Die kirchlichen Beziehungen zwischen Lindes und Großen-Linden sind also besonderer Art. Eine Meldung aus dem Jahr 1682 weist noch einmal darauf hin. Damals wird Lindes von der Kirchengemeinde Großen-Linden aufgefordert, einen Beitrag zur Instandsetzung der Kirche und der Pfarrgebäude zu leisten. Lindes weigert sich jedoch, da es selbst eine Kirche zu unterhalten hat. Außerdem weist man darauf hin, daß auch die ältesten Einwohner des Ortes nicht beschwören können, daß jemals ein Beitrag zur Unterhaltung der Großen-Lindener Kirchengebäude geleistet worden ist. Da man sich nicht einigen kann, kommt der Streit vor das Gießener Gericht. Dieses entscheidet, daß „Lindes nicht als Filial von Großen-Linden anzusehen und daher von dem Beitrag zu den Kirchengebäuden freizusprechen ist.“ Die Nachbargemeinde legt gegen dieses Urteil Berufung ein. 3 Jahre später wird es daraufhin von Darmstadt verworfen und die Lindeser werden zu einem Beitrag „verdammt“. Ein Gesuch der Lindeser an die Landgräfin Dorothea wird abgelehnt.[Quelle: Matthes, R.; Aus der Vergangenheit ...]

Seite 48: Etwa um das Jahr 1780 wird die Privatbesoldung des Pfarrers anders aufgeteilt. Danach hat nun „jeder Einwohner, wovon auch die Beisassen und Witwen nicht ausgeschlossen werden, jährlich an Geld 40 alb. 4 heller“ beizutragen. Der Bürgermeister erhebt dieses Geld alle Vierteljahr und ist selbst von jedem Beitrag entbunden. [Q.: 44,s.o.]

Seite 61: Um das Jahr 1800 erhält der Pfarrer von Großen-Linden für seinen kirchlichen Dienst in Lindes einen „alten Taler“ (1Gulden + 21 Kreuzer).

Am 22.06.1812 wird das Burggut meistbietend versteigert. Der Käufer, Geheimrat von Zwierlein aus Winnerod, muß die Lieferung von 2 Achteln Korn an den jeweiligen Pfarrer übernehmen. Schon im nächsten Jahr verkauft er die Gebäude und das Land getrennt an einzelne Lindeser Ortsbürger mit Gewinn.

Nach dem Verkauf des Wredischen Gutes weigert sich die Gemeinde, dem Großen-Lindener Pfarrer Hoffmann, die ihm vom Gut her für seinen kirchlichen Dienst zustehenden 2 Achtel Korn zu liefern. Der Pfarrer kündigt daraufhin im Mai 1816 den im 17. Jahrhundert geschlossenen Privatvertrag und hält nun keinen Gottesdienst mehr in Klein-Linden ab. „Von höheren Orts wird deshalb die Gemeinde veranlaßt, 1 Jahr lang die Kirche in Großen-Linden zu besuchen“.

Nach einiger Zeit einigen sich schließlich die Parteien. Einen Tag nach dem 300-jährigen Gedenktag der Reformation, am 1. November 1817, feiert die Gemeinde den ersten Gottesdienst und damit das 3. evangelische Jubelfest in ihrer eigenen Kapelle.

Seite 62/63: Am letzten Sonntag im Oktober des Jahres 1866 weiht der Ort sein „neues freundliches Gotteshaus“ ein, in dem der Pfarrer von Großen-Linden auch weiterhin den Gottesdienst versieht. Die beiden Bronzeglocken, die 1843 und 1849 von dem Gießener Glockengießer Fr. Otto noch für die alte Kapelle gegossen worden sind und ein Gewicht von 2 ½ und 3 ½ Zentner haben, werden in dem schlanken Turm des Neubaues wieder aufgehängt. Die große Glocke ist auf den Ton „C“ gestimmt und trägt die Inschrift: „Gegossen von Friedrich Otto in Gießen für die Gemeinde Klein-Linden im Jahr 1849. - Zum Gottesdienst herbeizulocken, des Fürsten Willen kund zu tun, ist die Bestimmung aller Glocken. Oh, möchten sie von Sturme ruhn! Phil. Weigel, Bürgermeister. - Der Gemeinderat Phil. Schaum, Kasp. Weigel III., Georg Philipp Weigel, Kaspar Klein, Joh. Jung III., Kaspar Weigel I., Ludwig Reuschling I., Ludwig Weller I., Pfarrer Eigenbrod, Schullehrer Weigel.“

Die kleine Glocke ist auf den Ton „F“ gestimmt und trägt die Inschrift: „Goß mich Friedrich Otto in Gießen 1843 für Klein-Linden. Der Bürgermeister Weigel, Pfarrer Eigenbrod, Schullehrer Weigel. Die Gemeinderäte Phil. Weigel, Johann Jung, Joh. Germer, Kaspar Klein, Joh. Lenz, Joh. Kinzenbach, Konrad Weigel, Ludwig Reuschling“.

Seite 68: Im Jahr 1921 wird die 1849 gegossene Glocke, die während des Krieges beschlagnahmt worden ist, durch eine neue ersetzt. Auf ihr ist zu lesen: „Nach Krieg und Leid und harter Zeit ruf ich erneut zur Seligkeit. Glockengießer Rincker in Sinn.“

Seite 69: Seit Beginn des Jahrhunderts ist Klein-Linden von Pfarrassistenten seelsorgerisch betreut worden, die bei Privatleuten auf Miete gewohnt haben. In den Jahren 1934/35 wird das Pfarrhaus in der Hügelstraße gebaut.

Seite 70: Im Jahr der Währungsreform 1948 wird die während des Krieges abgeholte Kirchenglocke durch eine neue ersetzt und geweiht. 3 Jahre später (1. Apr. 51) wird Klein-Linden selbständige Pfarrei innerhalb des Dekanats Gießen. 3 Jahre danach entsteht das Jugendheim in der Hügelstraße. Die evangelische Gemeinde zählt damals etwa 2600 Mitglieder. ...

Die Friedhofskapelle wird gebaut und 1964 erhält die Kirche einen neuen Turm, der bald zwei weitere Glocken aufnimmt.

Seite 71: Am 8. Sept. [1969] soll das Türmchen der 1613 erbauten Kapelle mit einem Kran von den alten Schulsälen genommen werden, um vielleicht auf dem Friedhof eine neue Verwendung zu finden. Das Unternehmen mißlingt jedoch. Das Türmchen kommt zwar gut vom Dach herunter, bricht aber dann über dem Lastwagen - wegen einer kleinen Unvorsichtigkeit auseinander-. Es ist danach auch wohl zu alt, um noch einmal renoviert werden zu können.

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Obwohl es teilweise eine Wiederholung des Nachfolgenden ist, wurde 2004 hier noch ein Artikel von Pfarrer Otto Schulte aufgenommen. Er stammt aus: Hessische Chronik, Jgg. 1930, Seite 183-186.

Großen=Linden im Zeitalter der Reformation.
       von O. Schulte, Großen=Linden.
Wenn ich im Nachfolgenden den Versuch mache, ein Bild davon zu zeichnen, wie die Pfarrei Großen=Linden die Reformationszeit erlebt hat, so komme ich mir vor, wie jemand, der vor einer großen Tafel steht und nun sich müht, die letzten Reste eines darauf Geschriebenen auszuwischen. Einst stand auf dieser Tafel in großen Buchstaben: "Wir können für Großen-Linden als Jahr der Einführung der Reformation 1527 sicher feststellen" (cf. Diehl, Reformationsbuch S. 112). Das haben wir gelernt und nicht anders gewußt und waren stolz darauf, daß Großen=Linden als einer der ersten Orte Hessens sich zur Lehre Luthers bekannt hat. Aber schon Diehl ist mit kräftigem Schwamm über diese Worte hingefahren (cf. Hessische Chronik 1925, Heft 3/4), und nun will ich versuchen, auch die letzten Reste der alten Vorstellung zu beseitigen.
     Als Luther seine 95 Thesen an der Thür der Schloßkirche zu Wittenberg anschlug, gehörten zur Pfarrei Großen=Linden 6 Filiale: Leihgestern, Dornholtzhausen, Hirnßheim, Hochelheim, Allendorf und Lindes. Die meisten dieser Dörfer hatten eigene Kapellen, einige auch noch Häuser und Scheuern für den Kaplan und daneben noch besondere kirchliche Einkünfte (Pächte und Zinsen). 5 von den 6 Dörfern hatten je ihren besonderen Collator (- Stockhausen, dessen "Register und Auffzeichnung der Gefellen etc. der Pastorei Großen=Linden (1568) wir viel verdanken, nennt diese Collatores im Gegensatz zu dem Landgrafen, "der superior collator und patronus
["] der Pastorei Großen=Linden war, Subcollatores -). Dornholtzhausen hatte die Junker von Frankenstein, Hochelheim Baltzer Waise von Fauerbach, Hirnßheim die Junker von Bicken, Leihgestern den Komthur von Schiffenberg und Allendorf die Junker von Buseck. Nur Lindes hatte keinen Collator. Es wohnte zwar schon damals eine adlige Familie auf der Burg daselbst, aber Kollatorenrechte hatte sie nicht. Es war nun die Aufgabe dieser Kollatoren, die kirchlichen Gebäude in gutem Zustand zu halten. Die Einnahmen aber aus den Kapellen kamen den Kaplänen (die auch Altaristen genannt wurden) zu gut, die als Gehilfen des pastors Zu Großen=Linden angestellt waren. Dieser letztere wohnte in Großen=Linden nahe der Kirche in einem großen, schönen Pastoratshause, das etwa 1450 erbaut ist und noch heute mit der Kirche die Zierde des Ortes bildet.
     Das war das äußere Bild der Pastorei Großen=Linden im Anfange des 16. Jahrhunderts.
     Es war ein bedeutsames Ereignis für diese Pfarrei, als in ihr die Messe abgestellt wurde. Wir vermuten, daß es 1527 geschah, welches Jahr man bisher als das Jahr der Einführung der Reformation angesehen hat, und daß es Phlipp der Großmütige war, der den Befehl dazu gab. Denn Großen=Linden gehörte zu den "Fürstlichen" Pfarreien Oberhessens, in denen ohne den Willen des Landesherrn so Wichtiges nicht geschehen konnte. Mit der Abschaffung der Messe allein aber war es nicht gethan. Es mußte auch jemand da sein, der Gottes Wort wieder auf den Leuchter setzte, der ihm gebührte, und der der evangelischen Predigt und Lehre ihr Recht gab. Es wäre Sache des Pastors gewesen, dafür zu sorgen. Aber gerade der ließ es daran fehlen. Tobias von Schrautenbach, der, wie auch einer oder zwei seiner Vorgänger, von adeligem Stamme war, sei kein "Prädikant" gewesen, sagt Stockhausen in dem beregten Register. Mag sein, daß er in seinem Herzen katholisch dachte oder fühlte, mag auch sein, daß er nicht religiös veranlagt war und alles gehen ließ, wie es wollte - genug, durch seinen "Vnfleiß" wurde die Pfarrei "verwüstet" und "verfiel", wie der Landgraf 1546 in seinem Anstellungsdekret des Pfarrers Johannes Stockhausen feststellte. Wie das im einzelnen geschah, ist zum Teil durch das Register selbst erläutert. Die Kollatoren ließen die kirchlichen Häuser und Scheuern in ihren Orten verfallen, sie zogen "etliche Pföchte und Zinsen" an sich, sie nahmen für sich das Recht in Anspruch, von sich aus Personen anzustellen, die die Kapellen versahen. Sie kamen mit letzterem dem Verlangen etlicher in den Dörfern entgegen, die nicht mehr, wie früher, Sonntag vormittag nach Großen=Linden in die Kirche gehen und eigene Prediger haben wollten, ein Verlangen, das ja nicht viele Jahrzehnte später dazu geführt hat, daß Hochelheim und Dornholzhausen, wie Leihgestern eigene Pfarreien bildeten. Die naheliegende Frage, woher die Kollatoren solche Personen nahmen, erledigt sich leicht, wenn man sich vor Augen hält, daß, wie Lic. Müller in Dutenhofen in seinem Gemeindeblatte mitgeteilt hat, Schwarmgeister in der Reformationszeit in unserer Gegend ihr Wesen getrieben haben, wie in dem Filiale Allendorf und der Pfarrei Lützellinden, die sich ja zwischen Großen=Linden und Allendorf einschiebt. Den Schwarmgeistern kam alles auf das innere Licht, auf den Geist an, der kirchliche Verband waren ihnen nichts. Wenn sie aber in diesen zwei Orten schon waren, so haben sie auch sicherlich vor den anderen nicht Halt gemacht. Sie haben die Kreise weiter gezogen, und, wie es bei den Sektierern immer geht, bald sind auch unter den Laien solche gewesen, die beten und predigen konnten; die Collatores werden solche Leute angestellt haben, die Kapellen zu versehen.
     Dazu kam noch ein anderes. Stockhausen beklagt sich in dem angezogenen Register von 1568 bitter über die kirchlichen Zustände in seiner Pfarrgemeinde. Zwar waren 20 Jahre verflossen, seitdem er in Großen=Linden als Pfarrer eingesetzt war. Aber es ist unschwer zu erkennen, daß dieses unkirchliche Wesen in seinen Wurzeln noch aus der Zeit herrührt, da Schrautenbach hier wirkte. Er sagt, "daß sich das volck beid zu Linden ietziger Zeit und draussen in filialen oder Capellen sehr vbel und verechtlich gegen Gottes Wort und Dienst helt; den Irer wenig vnd gar selten zur kyrchen gehen, viel weniger die heiligen sacrament brauchen. Etliche sind in 40 Jahren nit zum Sacrament gangen ... Es hilfft kein warnung noch vermanung ... Diese groß verachtung bringt den lerern grossen verdruß, vnmut und trawrigkeit des Hertzens." Stockhausen empfindet das alles als große Undankbarkeit. Mit seinen zwei Vikaren hält er jede Woche 15 Predigten ohne die Hochzeitpredigt und läßt es an keiner Mühe fehlen. Man weiß aus der Geschichte, wie jahrelange Vernachlässigung einer Gemeinde lang nachwirkt und so leicht nit gehoben wird.
     Dem Landgrafen war 1546 dieser Zustand seiner Pfarrei zu Ohren gekommen. Er erließ darum an seinen Superintendenten Mag. Adam folgendes Schreiben:
     Wolgelerter, lieber, getrewer! Wie glaubhaftig bericht, daß die Pastorey Linden durch Tobiam Schrautenbach seligen verwüst und verfallen sey, derowegen ist an Euch unser in Gnaden ernster Beuelch
[Befehl], das Ir die Pastorei und Filial zusamenbringen, sie mit eim frommen gelerten Prediger und Caplan bestellen und darin niemands nichts gestattet zu predigen oder sacrament zu reichen, dan allein dem verordneten Prediger und Caplan. Damit vns aber dem Collatori an unserm ius vnd Herlichkeit, deßgleichen auch der Pastorey nichts entzogen werde.
     Und da Euch Jemands hieran würde verhindern, so zeigets vns an, so wollen wir Euch gepurlich Hülff thun. Das wollen wir Euch also nit verhalten."
     Der Superintendent berief als Pfarrer Mag. Johannes Stockhausen, der also, wie Diehl schon nachgewiesen hat, verdient, der erste lutherische Pastor von Großen=Linden genannt zu werden. In dem schon erwähnten Register haben wir seinen Lebenslauf neben dem seines Schulmeisters und seines Sohnes. Hier ist er: Joannes Stockhausen, seines alters 50 Jar, burtig von Hirßfeld, Hermans Stockhaussen seligen sohn, weiland Bürger daselbst, hat in seiner jugent das fundament in der schulen Hirßfeld gelegt vnd zu Marpurg darnach studiret. Nachdem er 3 Jar zu Giessen vnd 5 Jar zu Hirsfeld die schulen regiret hat, ist er von dannen durch Mag. Adamen, Superintendenten seligen mit vorwissen principis gen Linden vociret, ordiniret und confirmiret Anno 1546. Und hat nun 24 Jahr dieser Pastorey Linden Kirchendienst verwaltet.
    Hoffmann meldet in seinem Schriftchen: "Die Feier des 3ten Evangelischen Jubelfstes zu Gros= und Klein=Linden" von 1817, daß Johannes Stockhausen, bevor er in Gießen Schullehrer wurde, Benedictiner zu Hersfeld gewesen und von da entwichen sei. Der obige Lebenslauf meldet nichts davon, hat auch dafür kaum Raum. Er ist übrigens von Stockhausen selbst geschrieben, wie die Unterschrift unter den drei Lebensläufen zeigt: Ego Joannes Stockhausen haec omnia sic se habere testor propia manu.
    Nach diesem Lebenslaufe sollten sich die einzelnen Daten seines Lebens leicht berechnen lassen. Er müßte, wenn er 1568 50 Jahre alt war, 1518 geboren sein. Aber nun kommen Unstimmigkeiten. Er sagt selbst, daß er im Jahre 1568 24 Jahre dieser Pastorey Kirchendienst verwaltet habe und gibt selbst das Jahr 1545
[Wo??] als dasjenige an, in dem er in Großen=Linden ordinieret worden sei. Wir wollen mit dieser Rechnung nicht ins Gericht gehen, auch damit nicht, daß er als das Jahr seiner Ordination 1545 angibt, während es doch nach dem Datum des landgräflichen Schreibens 1546 ist. Schwerer wiegt folgendes: Acht Jahre vor seinem Dienstantritt hat er Schullehrerdienste getan. Der Anfang läge als in 1538. Er müßte also, 20 Jahre alt, nicht nur Schule und Universität abgeschlossen haben und in diesem Alter schon zum Schullehrer in Gießen ernannt worden sein, eine Angabe, die nicht leicht in der Kopf will. Aber dem mag sein, wie ihm wolle - es ist möglich, daß Stockhausen sich die Daten selbst nicht aufgeschrieben und nur aus der Erinnerung wiedergegeben hat, ein Verfahren, bei dem gar manchem älteren Manne Fehler unterlaufen.  [Es ist heute bekannt, daß solche frühen Universitätsabschlüsse eher die Norm waren.]
    Jedenfalls war die Aufgabe, vor die ihn der Landgraf und der Superintendent 1546 stellten, schwer genug. Er kam in unkirchliche, geistig verwüstete und verfallene Gemeinden. Er hatte den adligen Kollatoren nicht nur die genommenen Kirchengüter wieder abzunehmen, er hatte auch sie an die Pflicht zu erinnern, die kirchlichen Gebäude und Scheuern wiederherzustellen. Er hatte dafür zu sorgen, daß die Laienprediger verschwanden und die Schwarmgeisterei ein Ende nahm. Es kam hinzu, daß der Zehnte, sowie die Pacht= und Zinssummen, die dem Pfarrer zustanden und an einzelne Äcker und Stücke gebunden waren, durch Erbteilung ganz zerissen waren, oder geleugnet wurden, und daß die Einsammlung in den vielen Dörfern (Lindes, Leihgestern, Cleberg, Hirnßheim, Wetzlar, Nieder=Cleen, Wieseck, Launspach, Laudtsbach, Heuchelheim, Alpach, Lützellinden, Allendorf, Langgönß, Hochelheim, Dornholzhausen, Ebersgönß, Groß=Rechtenbach, Hausen), in denen allen die Pfarrei Geld oder Frucht oder Zehnten, Wachs oder Öl zu fordern hatte, eine sehr große Beschwerde machte, eine Arbeit, die Stockhausen durch die Niederschrift des genannten Registers sich und seinen Nachfolgern zu erleichtern suchte.
    Von dem Erfolg seiner Bemühungen geben die Urkunden wenig Nachricht. Von den Schwarmgeistern ist in den nachfolgenden Zeiten keine Rede mehr, die Laienprediger sind bald nach Stockhausens Dienstantritt verschwunden, ob die Collatores die kirchlichen Gebäude in den Filialen aufgebaut haben, wissen wir nicht. Bald nachher sind Hochelheim und Leihgestern selbständige Pfarreien geworden. Aber wenn auch die Nachrichten darüber schweigen, was Stockhausen bezüglich der Unkirchlichkeit seiner Gemeinde erreicht hat, er ist in seiner Arbeit nicht müde geworden, und die Undankbarkeit hat ihn nicht abgeschreckt. 1595 ist Stockhausen gestorben, und die Aufzeichnungen, die er hinterlassen hat, geben das Recht, ihn als einen der größten und tüchtigsten Pfarrer der Großen=Linder Pfarrei neben Vigelius (1647-1682) und Hoffmann (1807-1837) zu bezeichnen.
    Man sieht, die Reformationsgeschichte Großen=Lindens sieht nichts weniger als begeisternd aus. Sie beginnt erst mit dem Pfarrer Johannes Stockhausen, dessen Geschlecht in deutschen Landen heute noch nicht erstorben ist und dessen Familie allezeit diesen ihren Ahnherrn in hohen Ehrengehalten hat.
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Kommen wir nun zu den einzelnen Pfarrern, die in Lindes wirkten:

Bei Einführung der Reformation war, oder wurde, Inhaber der Pfarrei:

Tobias Schrautenbach, 1527 bis 1542.
                                          +: vor 1546

Pfarrer Otto Schulte schreibt: Zwischen der katholischen und der evangelischen Zeit aber steht ein Mann, der so wenig als Pfarrer erscheint, daß ihn Prälat Diehl in einer Mitteilung an den Schreiber diesen am liebsten gar nicht als Pfarrer bezeichnen möchte. Aber ein Pfarrer war er doch. Er hieß Tobias Schrautenbach und hatte von 1527 bis 1542 die Einkünfte hiesiger Pfarrei inne. ...

Wir haben, wie gesagt keinen Grund, Schrautenbach als nicht Geistlichen anzusprechen. Der Landgraf Philipp spricht im Anstellungsdekret Stockhausens von dem „Unfleiß des Schrautenbach“. Das setzt jedoch voraus, daß er in ihm einen Geistlichen gesehen hat. Allderings wird es schwer, ihm das Prädikat eines lutherischen Pfarrers zu geben.

Tobias Schrautenbach war adliger Herkunft, nach Pfarrers Schulte vermutlich ein Bruder des hessischen Staatsmannes Balthasar von Weitolshausen, genannt Schrautenbach.

Pfarrer Stockhausen schreibt, nach Schulte, über seine Vorgänger: Sie seien keine Prädikanten, d. h. Prediger des reinen Gotteswortes gewesen... Er, Schrautenbach, sei nur dem Namen und Besitz nach Pastor gewesen. Er saß in seinem großen Pfarrhause mit dem guten Einkommen und ließ den Dienst durch Vikare versehen... Es waren ein Herr Johann und dessen „Nachfahre“, ein Herr Konrad.

Schulte zitiert auch Pfarrer Hoffmann, der 120 Jahre früher berichtete, daß die Großen-Lindener Bürger Schrautenbach wegen seiner Mißwirtschaft verjagten und sich einen Mönch aus Kloster Arnsburg holten, von dem aber weiter nichts bekannt ist. Schulte nimmt an, daß dem Pfarrer Hoffmann dazu Quellen bekannt gewesen seien, die wir heute nicht mehr kennen.

Es ist bisher also nicht sicher, ob Schrautenbach im Jahr 1542 starb oder sein Amt aufgab; 1546 war er jedenfalls verstorben, s.o., Befehl des Landgrafen.

1542 bis 1546 gab es keinen Pfarrer. Die Pfarrei wurde von dem Diakon Lucas Koch, der in Großen-Linden geboren sein soll, verwaltet.

In „Hessen=darmstädtisches Pfarrer= und Schulmeister=Buch“ (Hassia sacra; Band I) 1921 von D.Dr. Wilhelm Diehl [im weiteren zitiert: Diehl, HS,...] findet sich zu Großen-Linden als 1. nachreformatorischer Pfarrer:
1. Tobias Schrautenbach, 1527-1542, Pfarrer in Großen-Linden.

Johannes Stockhausen, 1546 bis 1595. 
* um 1518, Hersfeld;  + 26.01.1595, Großen-Linden.

Johannes Stockhausen wurde in Hersfeld geboren. Sein Vater war Hermann Stockhausen, Bürger in Hersfeld. Nach eigenen Angaben, s. o., wurde er um 1518 geboren. Er war 1532 in Marburg immatrikuliert, 1537 Schulmeister in Gießen und 1540 in Hersfeld, bevor er 1546 Pfarrer in Großen-Linden wurde. Seine Frau war Elchgin Nidderhoffer aus Marburg, Tochter des Seip Nidderhoffer. Nach drsl. Mitt. von Herrn Günther, Recklinghausen, ging er ca. 1560 eine zweite Ehe mit NN. Rabe ein; Q: Egel, AL Strack, HAL 2, Sp. 625/632.

Otto Schulte schreibt in seinem Buch über Vigelius, Seite 50:
Der erste lutherische Pfarrer hierselbst, Johannes Stockhausen, vom Landgrafen 1546 auf die hiesige Pfarrstelle berufen, hatte außer Großen-Linden sechs zu der Gemeinde gehörige Filiale mit Kapellen zu betreuen: Dornholzhausen, Hochelheim, Hörnsheim, Leihgestern, Allendorf und Lindes. Auf Stockhausen und die zwei Kapläne, die ihm beigegeben waren, kamen, wie er selbst schreibt, wöchentlich fünfzehn Predigten, also auf jeden Geistlichen durchschnittlich fünf in der Woche.

An anderer Stelle schreibt Schulte: Fünf von diesen sechs Dörfern hatten je ihren besonderen Collator. Dornholzhausen hatte die Junker von Frankenstein, Hochelheim die Balser Waste von Fauerbach, Hörnsheim die Junker von Bicken, Leihgestern den Landgrafen. [In Allendorf die Junker von Buseck].

Klein-Linden hatte keinen Collator. „Es will sich kein notwendiger Collator dahin finden lassen“, schreibt Stockhausen in seinem Salbuch von 1568. Das auf der Burg wohnende adlige Geschlecht derer von Weitershausen bzw. Wrede hatte mit seiner Collatur selbst nichts zu tun.

In die Amtszeit Stockhausens fällt die Trennung der Filialen Leihgestern und Hochelheim mit Dornholzhausen von der Mutterkirche in Großen-Linden. Leihgestern begann 1568, gegen Stockhausens Widerstand, sich zu lösen. 1569 war der Landgraf einverstanden, deshalb gab Pfarrer Stockhausen seinen Widerstand auf. 1574 wurde Samuel Wolnhaupt, vorher Lehrer in Großen-Linden, erster Pfarrer in Leihgestern. Später wurde dort Tobias Stockhausen, ein Sohn von Johannes Stockhausen, Pfarrer.

Die Pfarrei Hochelheim mit einer Filiale in Dornholzhausen entstand 1578 bis 1585.

Bei diesen Loslösungen der Filialen ist beachtenswert, wie die Vermögensteile, die die Kirche Großen-Linden in Leihgestern und Hochelheim hatte, nicht den neuen Pfarreien überwiesen wurden, sondern der Kirche Großen-Linden verblieben. Ein Grundsatz, der das ganze Mittelalter durchzieht und der wohl seine Erklärung darin findet, daß die Stiftungen, denen diese Äcker und Wiesen usw. entstammen, ursprünglioch nicht gemacht wurden im Interesse der Filialen und ihrer geistlichen Bedienung, sondern in Verehrung des Heiligtums als der besonderen Segensstätte Gottes.

Pfarrer Stockhausen, der in vielen Schriften als der „erste wirkliche lutherische Pfarrer“ bezeichnet wird, hatte wohl vor allem gegen die Wiedertäuferbewegung zu kämpfen, die im Hüttenberg, rund um Gießen und speziell in Lützellinden viel Zulauf hatte.

Noch 1568, nachdem er also schon 22 Jahre in Großen-Linden im Dienst war, schreibt er nach Schulte: „daß sich das volck, beide zu Linden [gemeint ist Großen- und Lützellinden] jetziger Zeit und draussen in Filialen oder Capellen sehr übel und verechtlich gegen Gottes Wort und Dienst hält; da ihrer wenig und gar selten zu kyrchen gehen, viel weniger die heiligen Sakramente brauchen. Etliche sind in 40 Jahren nit zun sakrament gangen. Es hilft keine warnung noch vermanung. Diese groß verachtung bringt den leren (Geistlichen) großen verdruß und traurigkeit des herzens.“

Über die Wiedertäufer schreibt Schulte, Seite 111:
Die Schwärmer hatten viele gute Freunde, sie steckten heimlich in den Häusern. Sie ließen ihre Kinder keinen Katechismus lernen. Sie brachten es jetzt dahin (1540), daß das junge Volk nicht so tanzt wie vor einem Jahr, daß die Jungfrauen ihre Haarschnur, Koller und anderes hinweggäben. Sie lehrten, die Hochzeit sei ein Judenfest, die Bräute sollten sie Bräutigamme verlassen und mit den frommen Leuten ins Mohrenland ziehen. Sie sangen ein Liedlein von dem Pilgrim, der auf die Straßen ziehen und die Welt verlassen wolle. Sie sangen dies und anderes mehr ganze Nächte, daß sie darüber von Sinnen und zu Narren würden. Wenn sie auf dem Felde zusammenkamen, nahmen sie einander in die Arme, hälsten sich und sagten: „Ei, ei, haben Alles gemein in Äckern“; setzten sich zusammen, lernten eines das andere und redeten nicht mit den Leuten.

Es ist zu vermuten, daß es auch in Lindes Anhänger der Wiedertäufer gegeben hat, ein Beleg dazu ist mir aber nicht bekannt.
Die Wiedertäuferbewegung ist wahrscheinlich auch der Grund dafür gewesen, daß schon kurz nach Amtsantritt von Pfarrer Stockhausen am 5.10.1547 die erste Synode des lutherischen Bekenntnisses in Großen-Linden abgehalten wurde. Im Namen des Landgrafen Philipp erhielt der Superintendent M. Adam Fulda den Befehl, dafür zu sorgen, daß in den gemeinschaftlichen Gebieten (Hessen und Nassau) die Pfarrer und Kirchen mit gottseligen, gelehrten und rechtschaffenen Pfarrherrn und Kirchendienern versehen würden.

Dazu sollten gemeinsame Synoden unter Beteiligung der Supperintendenten von Hessen und Nassau für den gemeinsam regierten Hüttenberg durchgeführt werden, auch zusammen mit dem Amtmann Holzapfel, der in Gleiberg saß und Nassau zugehörte.

Pastor Stockhausen lud infolgedessen den nassauischen Superintendenten auf Donnerstag, den 5. Oktober 1547, zu einer Synode nach Großen-Linden ein. Auf dieser Synode ermahnten Stockhausen und Goltwurm ihre Amtsbrüder, folgendes zu beherzigen:

1. Es solle alle vierzehn Tag ein bestimmter Tag, Mittwoch oder Freitag, das Volk mit
   gebührter Predigt und ordentlichem Gebet aufgerichtet werden.
2. Alle Sonntagnachmittag sollten sie mit einfältiger Weise und Ernst die Kinderlehre aus
   dem Katechismus treiben.
3. Da sich das gottlose Volk durch den Zorn Gottes und gegenwärtige ernste Strafe nicht
   zu einem gottseligen Leben und Wandel bewegen lasse, so sollten die Amtleute,
   Schultheißen, wie überhaupt alle Obrigkeit solche Laster zu strafen ein ernstliches und
   fleißiges Aufsehen haben. Sonderlich aber sollten Pfarrer und Kirchendiener sich vor
   offenbaren ärgerlichen Sünden, Schande und Lastern hüten. Und da es fast gemein
   geworden sei, daß sich die Kinder ohne Verwilligung der Eltern heimlich in den Ehestand
   begäben, so sollten die Pfarrer sie zum gebührlichen Gehorsam gegen die Eltern
   ermahnen.
4. Endlich sollten folgende Feiertage im Hüttenberger Land gehalten werden:
   a) Tag der Beschneidung Christi
   b) Tag der Heiligen Drei Könige
   c) unserer Frauen Lichtmeß 
   d) Verkündigung Mariä
   e) der grüne Donnerstag
   f) der Karfreitag halb, die Passion zu predigen
   g) der Ostertag mit den zwei nachfolgenden Tagen
   h) der Tag der Uffahrt Christi
   i) der Pfingsttag mit den zwei nachfolgenden Tagen
   j) der Tag der Heimsuchung Mariä
   k) der Tag Johannis des Täufers
   l) der St. Michaelis 
   m) der Tag Pauli Bekehrung
   n) der Magdalenentag
   o) die Aposteltage.

Schulte schreibt dazu noch: Aber eine Synode in unserem heutigen Sinne war es nicht. Nur die Einberufer redeten, sonst tat keiner den Mund auf.

Lindes gehörte nicht zum Hüttenberger Land, man kann aber wohl davon ausgehen, daß diese Anordnungen, sowie die Feiertage, auch hier galten.

In der Amtszeit von Pastor Johannes Stockhausen sind folgende Diakone, Vikare oder Caplane bekannt:

1) Kaplan Lucas Koch verwaltete ab 1542 die Pfarrei und war später Diakon.

2) Vikar Johannes Schieferstein wird um 1557 bei Diehl genannt.

3) Tobias Stockhausen, ein Sohn von Johannes Stockhausen, war von 1566 bis 1600 Diakon in Großen-Linden, danach Pfarrer in
    Leihgestern, wo er 1617, laut Familienbuch Großen-Linden, noch lebte. Nach Angaben seines Vaters im Salbuch war er 1568
    24 Jahre alt. Er studierte in Marburg und Wittenberg, 1566 wurde er zum Caplan berufen und ordiniert.

Johannes Stockhausen starb am 26.1.1595. Er wurde in der Kirche von Großen-Linden beigesetzt.
Im Familienbuch Großen-Linden ist er Nr. 653. Es werden, ohne Daten, die beiden Söhne Tobias und Andreas angegeben.
Über die Linie Stockhausen, Burgk, Menges/Magnus, Faber ist Pfarrer Stockhausen auch für viele Linneser „Spitzenahn“, also direkter Vorfahre.

Zu ihm schreibt Diehl, HS,I, 246:
2. Johannes Stockhausen von Hersfeld, Immatr. Marburg 1532, 1536 bis 1542 Schulmeister in Gießen, 1542-1595 Pfarrer in Großen-Linden, + Januar 1595.
Zu den Vikaren findet sich dort:
Als Diakone (zweite Pfarrer) wirkten in Großen=Linden:
1. Lukas Koch von Großen=Linden, Immatr. Marburg 1531, 1540 Diakonus in Großen=Linden, (1557)-1561 (+) Pfarrer in
   Dutenhofen bei Wetzlar.
2. Johannes Schieferstein, 1554 und noch 1560 Diakonus in Großen=Linden.
3. Tobias Stockhausen von Großen=Linden, Sohn des Pfarrers Johannes Stockhausen, Immatr. Marburg 1551,
    (1572)-1600 Diakonus in Großen=Linden.

Jodokus Phorrius, Februar 1595 bis 1597.

Über diesen Pfarrer und seine kurze Amtszeit ist wenig bekannt. Schulte schreibt:
Sein Nachfolger (gemeint ist Johannes Stockhausen) wurde Jodokus, Pfarrer Jodokus, und nicht Just ist sein Vorname laut seiner Unterschrift in der Kastenrechnung von 1594. Der Superintendent Jeremias Vietor, der ihn im Jahr 1595 in seinen Dienst einführte, nennt ihn seltsamerweise Jost Purr. Pfor hat, wie es damals viel geschah, seinen Namen latinisiert und sich Phorrius genannt. Er stammte von Kassel und war von 1591 bis 1594 Kaplan in Nidda gewesen. Im Februar 1595 erhielt er die Pastorei Großen-Linden. Wir wissen von ihm nur, daß er im Jahre 1592 als Niddaer Kaplan auf der Tagung des Friedberger Ruralkapitels eine oratio latina über den Kriegsdienst der Christen hielt. Die Zeit seines Pfarramt dauerte bis 1597.

Es ist nicht klar, ob Pfarrer Phorrius im Jahr 1597 starb oder nur das Amt aufgab.

Diehl, HS, I, 246: 3. Jost Pfor von Kassel, Immatr. Marburg 1587, 1591-1595 Diakonus in Nidda, 1595-1597 Pfarrer in Großen-Linden.

Konrad Faber, 1597-1614.
* ??, Marburg;  + ??.??.1614, Großen-Linden.

Zu ihm und seinem ihm nachfolgenden Bruder ist außer den in der HS genannten Daten nur bekannt, daß sie aus Marburg stammen, und nicht, wie Pfarrer Hoffman in „Die Feier des Jubelfestes der Reformation in Großen-Linden und Klein-Linden 1817“ meint, aus Großen-Linden (Schulte).

Das Familienbuch Großen-Linden, 96, nennt zu ihm eine Frau Susanna, *April 1585 ?.
Als einziges Kind wird ein Sohn angegeben:
Conradus *10.10.1613  oo 1639 (M.Cath.T.d.Superintendenten Selzer, Gießen) +25.05.1674 Pfarrer zu Butzbach 1641
[HS, I, 279: Konrad Faber, geb. 10. Oktober 1613 zu Großen=Linden, Sohn des Pfarrers Konrad Faber, Immatr. Marburg (P.) 1626, 1639-1640 Superintendenturadjunkt in Gießen, 1640-1674 Pfarrer in Butzbach, + 21. Mai 1674]

Diehl, HS, I, 246:
4. Konrad Faber von Marburg, Sohn des Diakonus Johannes Faber, Immatr. Marburg 1570, 1585 Pfarrer in Köln, 1585-1597 Pfarrer in Fronhausen a. d. Lahn, 1597-1614 (+) Pfarrer in Großen-Linden.

Siegfried Fabri, 1614-26.2.1621.
* ??, Marburg;  + 26.02.1621, Großen-Linden.

Schulte berichtet noch, daß Pfarrer Siegfried Faber während seiner Zeit in Wißmar gleichzeitig Hausprediger der Familie Schrautenbach von Weitershausen auf der Badenburg war.
Von 1600 bis 1614 war er Diakon bei seinem obigen Vorgänger und Bruder Konrad.

Das Familienbuch Großen-Linden gibt zu ihm einzig eine Tochter an:
Elisabetha     *1584    oo 1622 (Melchior Faber)   +09.03.1666

Diakon wurde dann 1614 Albert Mahler, der ein Sohn des Schuhmachers Heinrich Mahler von Homberg a. d. Ohm und zuerst Schulmeister in Homberg selbst war. Er war von 1621 bis 1636 Diakon hierselbst, in welch letzterem Jahre er starb. (Der Vorname ist irrtümlich in Aufzeichnungen mit Heinrich angegeben. In den Kirchenrechnungen heißt und unterschreibt er mit „Albert“.)

Hierzu finden wir bei Diehl, HS I, 246 andere Angaben, die auch zeitlich besser passen:
5. Albert Mahler (Pictor) von Homberg in Hessen, Sohn des Schumachers Heinrich Mahler, Immatr. Marburg 1603, bis 1614 „etliche Jahre“ Schulmeister in Homberg a.d. Ohm, 1614-1621 (+) Diakonus in Großen=Linden.
6. Heinrich Mahler von Homberg in Hessen, Sohn des Schuhmachers Heinrich Mahler, Immatr. Marburg 1605, 1614-1621 Schulmeister in Homberg a.d. Ohm, 1621-1636 (+) Diakonus in Großen=Linden.

Nach diesen Angaben waren die Brüder Albert und Heinrich nacheinander Diakone.
Zu Albert Mahlers Witwe gibt es einen Sterbeeintrag im sogenannten KB 2 Großen-Linden:
24./27.05.1660: Margretha, Joh. Schieberstein vidua / vorher H. Alberti Mahler Diaconi vidua.

Zu dem 5. evangelischen Pfarrer schreibt Diehl, HS, I, 247:
5. Siegfried Fabri von Marburg, Sohn des Diakonus Johannes Faber, Immatr. Marburg (P.) 1570, 1578-1600 Pfarrer in Wismar, 1600-1614 Diakonus, 1614-1621 Pfarrer in Großen-Linden, + 26. Februar 1621.

Balthasar Müller, 1621-19.3.1647.
* ??.??.1590, Gießen;  + 19.03.1647, Großen-Linden.

Pfarrer Balthasar Müller ist der erste, zu dem sich ein Sterbeeintrag im Kirchenbuch 1 Großen-Linden findet:
Den 19ten Marty (1647) ist der Ehrwürdig hochgelahrte H. Magister Balthasar Müller zwischen 4 und 5 Uhr Nachmittags in Christo seeligLichen abgeschieden. Gott verleyhe Ihme und uns allen eine fröhliche Auferstehung. Ist alt gewesen 57. Jahr, beynahe 26. Jahr Pfarrer allhir zu Linden.

Zu ihm schreibt Schulte:
Er wurde am 13. April 1621 in sein Amt eingeführt und ordiniert, nachdem er zuvor „eine sehr gelehrte Predigt gethan“. Die Hände wurden ihm von D. Feuerborn, dem Superintendenten und dem Pfarrherrn zu Heuchelheim, aufgelegt. Er ist der Pfarrer, der fast die ganze Zeit des Dreißigjährigen Krieges über hier gestanden und die Gemeinde durch alle Schrecknisse dieser schweren Zeit hindurch geführt hat. Als er ...starb, blieb seine Witwe hier wohnen. Sie wird zuweilen von seinem Nachfolger in dessen Protocollum erwähnt.

Nach dem Familienbuch Großen-Linden ist diese Witwe Susanna, geb. Heerd am 21.01.1684 verstorben; es wird allerdings angegeben: 2. Ehe: Pf. Lurius.
[Sie kehrte nach dem Tod ihres 2. Mannes, der Pfarrer in Reiskirchen "am Stoppelberg" war, nach Großen-Linden zurück. Das Protocollum Vigelii liefert mehrere Hinweise, daß sie dann auch im Streit mit der
Stadt Großen-Linden lag, die ihr keine Gemeinderechte mehr gewähren wollte, da sie ein zweites Mal verheiratet war.]
Kinder sind zu Pfarrer Balthasar Müller im FB nicht eingetragen (Nr. 434, ohne „Pfarrer“).

Diehl, HS, I, 247:
6. Balthasar Müller von Gießen, Sohn des Kaplans Philipp Mylius, geb. 1590, 1613-1614 Stadtschulmeister, 1614-1621 Stipendiatenmajor in Gießen, 1621-1647 Pfarrer in Großen-Linden, + 19. März 1647.

Zu dem nächsten Diakon in der Amtszeit von Pfarrer Müller schreibt Diehl, HS, I, 248.
7. Johannes Dofernus von Großen-Linden, Immatr. Marburg (P.) 1626, 1635-1636 Diakonus in Schotten, 1636-1661 Diakonus in Großen-Linden, + April 1661.

Sein Sterbeeintrag im KB 1 lautet:
Am 29t April (1661) starb H. Johannes Dofern Diaconus zu Großlind(en) und Pfrr zu Hirnßheim.

Nach dem Familienbuch Großen-Linden ist Johannes Dofern um 1600 geboren, war mit Catharina NN verheiratet, und starb am 29.04.1661 in Großen-Linden. Es sind 4 Kinder eingetragen. (Als Kleinkinder verstorbene sind nicht eingetragen).
Nach zufällig gefunden Sterbeeinträgen hat das Ehepaar ab 1638 mindestens 5 Kinder in Großen-Linden.
Laut Familienbuch, 53, heiratet nur eine Tochter 1670 (Johannes Spengler).

Schulte schreibt zu ihm:
Von ihm besaß die Kirche ein Stiftungskapital von 30 fl., dessen Pension (Zinsen) sich jährlich auf 11/2 fl. belief (wie alle in diesen Zeiten ausgeliehenen Kapitalien war es zu fünf Prozent ausgeliehen). Diese 11/2 fl. sollten den Armen zugutekommen und in Brot gegeben werden. Seine Tochter Marie Christine verheiratete sich im Jahr 1669 mit dem ältesten Sohne des damaligen Pastors Philipp Vigelius, Johannes.

Die Angaben des Familienbuches bleiben hier recht unklar, bei 729,1, Johannes Vigelius, wird ohne Daten und Elternangabe eine 1. Ehe mit Dofern, M.Christ. genannt. (2. Ehe: 1674) Maria Christina ist aber auch der Name der Tochter, die 1670 Johannes Spengler heiratet.

Philipp Vigelius, 1647 bis 1682.
* 14.07.1606, Großen-Linden;  oo 04.02.1634, Wetter;  + 01.05.1682, Großen-Linden.

Pastor Magister Philipp Vigelius wurde am 14.7.1606 als Sohn des Melchior Weigel und der Greta, geb. Mack in Großen-Linden geboren. Er latinisierte den Namen „Weigel“.
Am 1.7.1624 war er in Marburg „zum stipendio ankommen“, wo er 1625 an der Universität als Student der Theologie immatrikuliert wurde. Am 11.12.1628 promovierte er zum Magister.
Seine erste Pfarrstelle war Wetter, etwa drei gute Wegstunden von Marburg, das damals eine wesentlich bedeutendere Stadt war als heute.
Dort war am 5.5.1632 der Pfarrer Johann Adam Rosbecher verstorben.

Hierzu schreibt Otto Schulte, Seite 9: „Eine Witwenversorgung, wie wir sie heute für die Pfarrwitwen kennen, gab es damals nicht. ... Der Superintendent suchte in solchen Fällen in anderer Weise zu helfen. Er machte, wenn es anging, die Besetzung der vakant gewordenen Stelle davon abhängig, daß der Bewerber die Witwe oder eine ledige hinterbliebene Tochter (des verstorbenen Pfarrers) heiratete. ... Es ist möglich, daß dieser (Philipp Vigelius) die junge Witwe schon früher gekannt und liebenswert gefunden hat. Denn Großen-Linden, sein Geburtsort, und Langenhain, die Heimat der Witwe, liegen nicht sehr weit voneinander.

Jedenfalls wird Vigelius am 18.4.1633 in Wetter ordiniert, am 4.2.1634 heiratet er die Witwe seines Vorgängers, Christina, geb. Hirtzwig, verw. Rosbecher, aus Langenhain.

1635 brach auch in Wetter die Pest aus und suchte es in furchtbarem Maße heim. Während die Zahl der Toten 1633 dort 26, in 1634 29 betragen hatte, stieg sie in 1635 auf 248 Personen...

1636 wird die Stadt von den Schweden geplündert. Otto Schulte schreibt, nach dem zweiten Sendschreiben der Stadt Wetter an den Langrafen u.a.: „Dann wandten sie sich zu den Pfarrhäusern. Sie schlugen und stachen auf die beiden Pfarrer, Philipp Weigel und Gideon Fulder. Sie vergriffen sich an den Weibern und Jungfrauen, die in den Pfarrhäusern waren, und vergewaltigten sie, jung und alt, sowohl die von zehn als von siebzig Jahren“.

Schulte nennt auch noch eine andere Quelle, nach der Pfarrer Vigelius am Altare blutig geschlagen worden sei, als er diesem Greuel hätte wehren wollen.

Nach Vigelius späterem Versetzungsgesuch schreibt Schulte dann: „Er habe kein einziges Jahr sein eigen Brot ziehen können, so daß er sein und seiner Hausfrau patrimonium (= väterliches Erbe) habe verzehren und unterschiedliche Schulden machen müssen. Er sei zu verschiedenen Malen, sonderlich in den Jahren 1636 bis 1640 und 1646 ausgeplündert und zu Grunde verderbt worden ....“.

Der Bürgermeister, der Rat und die ganze Bürgerschaft von Großen-Linden unterstützen mit einer Eingabe an den Landgrafen das Versetzungsgesuch. Pfarrer Vigelius wird aber zuerst noch in das examen theologicum gefordert, wie Justus Feurborn und Petrus Haberkorn, die Superintendenten von Marburg und Gießen, am 22. Juni 1647 an den Landgrafen berichten.

Diese zusätzliche Prüfung mußte Pfarrer Vigelius, der nun schon 15 Jahre Pfarrer gewesen war, ablegen, da für die Pfarrstelle Großen-Linden, wie z. B. Stockhausen in seinem Salbuch von 1568 rühmend an die erste Stelle setzt, der Landgraf Kollator (etwa = Präsentator) und Patronus war, und zu der darum besonders ausgewählte Theologen kamen.

Auf Trinitatis 1647 wurde Pfarrer Vigelius hier „uffgeführt“.

Dem, der mehr über Pfarrer Vigelius und das Leben in seiner Zeit wissen möchte, kann ich das Buch von Otto Schulte, aus dem die obigen Zitate stammen, sehr empfehlen.
Hier seien noch einmal einige Stellen zitiert: 
Seite 50/51:
Als Filialen waren nur Hörnsheim und Lindes geblieben. ... Weigel hatte am Sonntag zweimal zu predigen, einmal hier (in Großen-Linden) und einmal in Lindes, an welche Predigten sich die Kinderlehre, die das ganze Jahr hindurch gehalten wurde, anschloß. Am Montag war hier Betstunde, am Donnerstag desgleichen, am Donnerstag Wochenpredigt in Lindes, am Freitag war Wochenpredigt hierselbst. .... Weigel hatte einen Kaplan oder Diakon, der zugleich Pfarrer von Hörnsheim war. Dieser hatte, von seiner Arbeit in Hörnsheim ganz abgesehen, Sonntags gleichfalls hier eine Predigt zu halten, außerdem Mittwochs eine Wochenpredigt hier und an einem anderen Tage eine zu Lindes. Dazu waren damals die Feiertage viel mehr, als heute. Ich zähle die uns unbekannten auf, die im Protokollum genannt werden: Matthiastag (1.Mai), Jakobstag (25.Juli), BartholomäusTag (21.Sept.) und Michelstag (29.Sept.). Außerdem kam der monatliche Bettag mit Predigt dazu. Ich stelle fest: außer Dienstag und Sonnabend hatte jeder Tag in Großen-Linden wenigstens einen Gottesdienst.

     Die Sonntagspredigt in Lindes fand im Winter am Nachmittage, im Sommer so früh am Morgen statt, daß noch am selben Morgen in Großen-Linden der „Metten“gottesdienst gehalten werden konnte. Oft ging Weigel schon am Sonnabend nach Lindes, badete im Sommer zuweilen in der Lahn und lag des Nachts in der Scheuer des Opfermanns oder in dessen Kuhstall auf dem Heu*. Im ganzen aber machten ihm die Gottesdienste in Lindes nicht sehr viel zu schaffen, da die Studenten von Gießen sich darum bemühten, auf der dortigen Kanzel sich im Predigen zu üben. Der Ort liegt Gießen sehr nahe, und die Professoren der Universität mahnten eifrig dazu. Gar manche, vielleicht die meisten der damals dort studierenden jungen Theologen, haben in Lindes zum ersten Male auf der Kanzel gestanden, und sehr lang würde das Verzeichnis derer ausfallen, die nach dem Protokollum Weigel also im Predigen vertreten haben. Auch auf der Großen-Lindener Kanzel predigten zuweilen Studenten. Nicht immer betrugen sich diese jungen Theologen rühmlich. Sie brachten ihre Studentengewohnheiten mit hinaus, und einige tranken nach der Predigt Unmengen von Bier und pumpten dabei noch die Wirtin an. Einen derselben wollte Weigel deshalb auch nicht zum zweiten Male predigen lassen. Die Professoren wohnten aber den Predigten ihrer Studenten nicht bei.

* Dazu 2 Abschriften aus dem Protocollum von F. W. Weitershaus:
Am 30. April 1665 blieb ich zu Lindes über Nacht bei dem Opfermann (Ludwig Haupt), aß den Abend mit ihm Brot und Käs und lag die Nacht in seiner Scheuer auf dem Heu.

Am 8. Juli 1666 als ich von Lindes gen Linden gehen wollte, überraschte mich ein arg Donnerwetter, weshalb ich wieder umkehrete und beim Opfermann im Stall über Nacht blieb.

Rektor Boßler schreibt zu den Studenten (100 Jahre freiwillige Feuerwehr, Seite 47):
Die Lindeser hatten also fast jeden Sonntag einen anderen Prediger, und ließen es auch an Kritik nicht fehlen, wie aus manchen Äußerungen hervorgeht. Der Schullehrer und Opfermann Haupt weiß dem Pfarrer am nächsten Sonntag öfters darüber zu berichten.

Da hat einer ein ganz leis und verzagt Stimmchen gehabt, der andere hat eine kernhafte Predigt gehalten, wieder ein anderer hat Krisch getan, daß es des Opfermanns Frau in der Kammer gehört hat. Mit einem Studenten hat der Pfarrer eine üble Erfahrung gemacht. Er schreibt darüber in sein Tagebuch: Am 12. Dezember [1659] sprach mich an Georg Sauer, Studiosus zu Gießen, daß er künftigen Sonntag für mich zu Lindes möchte predigen. Ich verweigerte es ihm anfangs, weil er vergangenen Sommer an einem Sonntag predigen wollte und nicht gekommen war. Als ich es ihm auf einen anderen Sonntag wieder erlaubt hatte, ist er in Lindes bis in die Nacht hinein beim Trunk gesessen und an 14 Maß Bier getrunken, welches er auch noch obendrein der Wirtin schuldig geblieben. Jedoch, weil er Besserung versprach, auch die Wirtin bezahlen wollte und jetzt bei dem kalten Wetter zu mir gekommen war, hab ich ihm verziehen und ließ ihn predigen. Der Opfermann hat seine Predigt gelobt.

F. W. Weitershaus zitiert den Schluß dieses Eintrags in einer unveröffentlichten Abschrift so:
Nunmehro war der Opfermann sehr zufrieden mit der Predigt und meinte: der kann gut saufen, kann aber auch gut predigen.

Sowohl Boßler als auch Weitershaus zitieren noch 3 Vorfälle beim Predigen in Lindes:
Als ich das Gebet gesprochen und dann die Predigt lesen wollte, [die Predigt wurde häufig aus einem gedruckten Predigtbuch nur vorgelesen, Vigelius gibt in seinem Tagebuch oft an, aus welchem Predigtbuch er vorgelesen hat] fehlte mir die Brille. Ich blieb so lange auf der Kanzel stehen, bis sie der Opfermann aus seinem Haus geholt hatte.

Ein andermal, wie ich hart zürnete, fiel mir ein Buch von der Kanzel einem Kind auf den Kopf, ohne ihm Schaden zu tun.

30. Juni 1672:
Als ich in der Kirche zu Lindes den Katechismus beten ließ und unter der Jugend halb herum war, fing der Kuhhirt an zu blasen, darüber ich unwillig ward und abbrach.

Nun wieder weiter mit Schulte, Seite 57: Neben den Gottesdiensten ist die Katechismuslehre oder Kinderlehre zu nennen. Sie fiel auf den Sonntagmittag und wurde in Großen-Linden von dem Kaplan, in Lindes vom Pastor selbst gehalten. Zu ihrem Besuche war die gesamte ledige Jugend verpflichtet. Sie fand im Chor der Kirche statt, und die Burschen mußten dazu von der Bühne herabsteigen. Der Besuch wurde kontrolliert, der Fehlende vermahnt und bei häufigerem Fehlen von dem Konvent mit einer Geldstrafe belegt, oder gar von der Teilnahme am hl. Abendmahle ausgeschlossen.

Seite 58: Zuweilen fand auch Katechismuslehre für die Verheirateten und alten Leute statt, so am 16. Juni 1672 und am 1. Juni 1673. Beide Geistliche hielten sie, der Pfarrer katechisierte die Frauen, der Kaplan die Männer. Sie wurde vorher angezeigt, und die nicht Erschienenen zu einer Geldstrafe verurteilt. Aber schon damals zeigte sich ein gewisser Widerstand der Alten gegen diese Veranstaltung. ........

Hierzu schreibt Boßler, Seite 49:
1665 verlangte der Superintendent in Gießen, daß auch die Alten jeden Sonntag im Katechismus verhört werden, ebenso im Gesangbuchslied und den Psalmen.

In der Amtszeit von Pfarrer Vigelius fanden auch in unserer näheren Umgebung grauenhafte Hexenprozesse statt. So gab es z. B. 1658 in Bingenheim in der Wetterau Hinrichtungen und von 1655 bis 1674 Hexenprozesse im Busecker Tal. Über 2 Hinrichtungen in Gießen berichtet Vigelius selbst im Protocollum (Boßler, 65):
1663 werden in Gießen 2 Weiber aus Lißberg hingerichtet, weil sie als Hexen verurteilt waren; die eine wurde mit dem Schwert gerichtet, die andere verbrannt.

Es ist vermutlich der Vernunft von Pfarrer Vigelius zu verdanken, daß in seinem Amt, also auch in Lindes, diese Verbrechen verhindert wurden. Daß es, dem Zeitgeist entsprechend, auch in Lindes Anschuldigungen der Hexerei gab, belegt folgender Eintrag in Vigelius Tagebuch (nach Abschrift Weitershaus):
....1665  erzählte mir der Opfermann zu Lindes (Ludwig Haupt), daß Anna, des Johannes Neidels Hausfraue, so er 1651 geheuratet, Pferd und Kuhe des Johann Conrad Weygel so verhext habe, daß beide verendet. In der Ölmühle zu Lützellinden habens die Leute zuerst erzählt. Die Frau hat sich sehr darüber gebrestet und wills nicht gestehen.

Dabei hat es offensichtlich Pfarrer Vigelius belassen, die Frau wurde nicht „peinlich befragt“, also gefoltert. Sie starb „ganz normal“ am 25.09.1691 in Lindes. Sie war übrigens die Mutter des Lehrers Johann Peter Neidel.

Daß Pfarrer Vigelius ansonsten schon eine harte Kirchenzucht ausübte, zeigen folgende Einträge in seinem Protocollum [zitiert nach Abschriften Boßler (B) und Weitershaus (W)]:
Im Konvent zu Lindes wurde beschlossen, daß die, so auf Epiphaniensonntag nicht in der Kirche waren, alle 3 Albus geben mußten. (B)

Zwei Männer aus Lindes, die sich in der Kirche wegen der Plätze gestoßen und geohrfeigt haben, müssen nach Beschluß des Konventes am nächsten Sonntag vor versammelter Gemeinde durch Handgelöbnis sich wieder versöhnen. (B)

Anmerkung ohne Datum:
Als ich heute nach Lindes gehen wollte, um daselbst Kirche zu halten, sah ich, wie zwei Bauern auf dem Felde ackerten. Der eine kehrte auf mein Zurufen gleich um, der andere aber ließ sein Gespann stehen und floh in den Wald. Wie ich ihm drohte, kehrte er auch zurück und trieb sein Vieh heim. (W)

Am 10.Oktober 1670
ließ ich in Lindes 3 Frauen vor den Convent kommen, dieweil sie sich in Gießen betrunken und auf dem Heimweg im Graben gelegen hatten. Am 21. November ließ ich wieder 5 Weiber vor den Convent fordern, weil sie sich in der Kirche gestoßen und eine die andere mit einer Ziernadel gestochen. (W)

Am 12. Dezember 1670
erschien der Wirt Reinhardt vor dem Convent, derweilen er am Sonntag vorher in seiner Vollheit seine Frau geprügelt. Er wird deshalben auf 1 Jahr vom Genuß des heiligen Abendmahls ausgeschlossen.* (W)

*Notiz an anderer Stelle:
„Als ich an Reinhards Haus kam, hörte ich ein wüst Gekrisch. Ich sah sie auf der Karte spielen und mit Saufen und Geblärr sich die Zeit vertreiben. In der Kirche habe ich nachher über diese Unsitte hart gezürnet“.
(W)

Daß der Zorn des Pfarrers aber wenig fruchtete, der Alkohol -und sein Mißbrauch- zum alltäglichen Leben gehörte, zeigt zum Beispiel folgender späterer Eintrag zu Großen-Linden:
1680. Heute ließ ich den Wirt Thielmann in Linden vor den Konvent kommen, weil er die Nacht Weibsmenscher in seinem Hause bei den Gästen beherbergt und zur Völlerei und Unzucht Anlaß gibt, antwortete er mir, dann sollten auch die Ratsherrn ein besser Exempel geben und nicht bis nachts 1 Uhr auf dem Rathaus saufen, sich zanken und dann einer den andern zur Treppe hinunterwerfen. (B)

Getrunken wurde zu jeder sich bietenden Gelegenheit, außer bei den familiären Anlässen wie Hochzeit, Kindtauffe und Begräbnis, auch bei der Neuaufnahme eines Gerichtsschöffen oder eines Kirchenvorstehers, beim „Auf-“ und „Abzug“ eines Pfarrers, beim Abschluß eines Kaufes, bei der Beauftragung eines Handwerkers usw. Der weltliche Abschluß des Ehevertrags vor dem Schultheiß, in Anwesenheit des Pfarrers, hieß nicht ganz umsonst „Weinkauf“ oder „weinkäufliche Copulation“. Bei Gericht, so auch beim Centgericht Lindes, wurde ein gut Teil der Geldstrafen direkt vertrunken.

Als Beispiel:
Am 4. Mai [ohne Jahresangabe] habe ich dem Kaspar Heyd verdinget, den Boden in meiner Schlafkammer mit Leimen zu kleben und auszuflicken die Löcher; bei der Verdingung 6 Maß Bier getrunken. (B)

Daß Pfarrer Vigelius einem guten Schluck selbst nicht abgeneigt war, zeigt der folgende lobende Eintrag:
1654. Spricht mich an der Hofrichter des Junkers, ihm auf der Burg ein Kind zu taufen. Bei der Mahlzeit spielten die Sackpfeifer auf. Wir aßen Hammelfleisch und Eierkäs. Den roten Firnewein, den wir getrunken, hatte er aus der Apotheke zu Gießen. Meine Frau und ich blieben über Nacht auf der Burg. (B)
[Bei dem Hofrichter, Verwalter, handelt es sich um Melchior Hildenbrand, der 1658 wegen Mißwirtschaft vertrieben wird. Am 6.4.1654, Ostermontag, wird seine Tochter Anna Elisabeth getauft.]

Weniger zufrieden klingt dieser Eintrag:
1653. Spricht mich an der Balser, itzo Schäfer in Allendorf, ihn mit Elisabeth Heep, die auf der Burg Magd ist, weinkäuflich zu kopulieren. Habe sie kopuliert in dem Garten hinter der Burg. Anstatt der Mahlzeit erhielt ich ein Kopfstück und einen Käs. (B)

Zum Schluß noch ein Eintrag, der zeigt, daß Pfarrer Vigelius Weg nach Lindes nicht immer ungefährlich war:
Am 10. August [1669 ?] mußte ich vor dem Walde, als ich nach Lindes gehen wollte, wieder umkehren, weil eine ganze Schar Wölfe geradewegs auf mich zukam. In Lindes hat darum der Opfermann für mich Betstunde gehalten.

Christina Vigelius starb am 21.9.1681, Pfarrer Vigelius am 1.5.1682. Der Sterbeeintrag im Kirchenbuch lautet: den 1ten May, ist weyland der Ehrwürdige und Hochgelahrte H. Philipps Vigelius (später eingefügt: Pastore prim. allhier) nachmittags umb 2.Uhr in Christo Jesu seinem Erlöser seelig Verschieden, nachdem er 75. Jahr erlebet und 35. Jahr dieses Pfarramt bedienet, überall 50 Jahr im Predigambt gestanden.

Das Familienbuch Großen-Linden nennt 3 Töchter und 3 Söhne des Ehepaares Vigelius, die alle eine (Johannes zwei) Ehe eingehen, Nr. 729. Schultes Buch über Viegelius sind ausführliche Tafeln der Nachkommen beigelegt.

Diehl, HS, I, 247:
7. Philipp Vigelius von Großen-Linden, geb. 14. Juli 1606, Sohn des Bürgers Melchior Weigel, 1622-1632 Stip. Gießen und Marburg, 1632-1647 Pfarrer in Wetter, 1647-1682 Pfarrer in Großen-Linden, + April 1682. Sein Adjunkt war 1676-1682 Johann Philipp Eckhard, der 1682 Diakonus wurde.

Zu den beiden Diakonen, die außer Johannes Dofern noch in seiner Amtszeit tätig waren, schreibt Diehl, HS, I, 248:
8. Johannes Keyser von Schotten, 1661-1670 (98).
   98: Crainfeld
       
8. Johannes Keyser von Schotten, Sohn des Bürgers Keyser, Immatr. Gießen (P.) 25. Juli 1650, 1657-1661 Stadtschulmeister
          in Gießen, 1661-1670 Diakonus in Großen-Linden, 1670-1719 Pfarrer in Crainfeld, + 1719, alt 84 Jahre.
In Crainfeld sind dann übrigens ein Enkel Johannes und ein Urenkel Johann Vincenz von Pfarrer Vigelius als Pfarrer tätig (1727-1762 Johannes / 1762-1785 J. Vincenz).

9. Johann Roland Fabricius von Ober-Widdersheim, 1670-1682 (siehe Pfarrei).

Nach Schulte wurde Magister Johannes Keyser am 11.09.1661 in Hörnsheim in seinen Dienst eingeführt. Er blieb bis zum 19. Juni 1670, wo er in der hiesigen Kirche seine „Valetpredigt“ hielt. Magister Philipp Vigelius schreibt darüber in seinem Protokoll: „Er hat seine Valetpredigt getan über Act. 20, 31-36: `Denket daran, dass ich usw.´. War die Kirche voll Leute, Einheimischen und Fremden zusammen kommen unter dem geleut wider ihren gebrauch und gewohnheit, dan ich ihnen den morgen angezeiget (=ich hatte im Vormittags- gottesdienst auf diese Abschiedspredigt hingewiesen). Nach der Predigt sprach er vor dem Vater unser knyend folgenden Segenswunsch:

`Nun, so nimb den letzten segen,
Liebes Linden von mir hin,
Denke, dass des Herren wegen
Ich bey dir gewesen bin. Votum.
Segne Gott hier mann und weib
Segne sie an seel und leib,
Segne dise gantz gemein,
Segne, wie ichs wünsch und mein,
Segne durch dein reiche Hand
Dies stadt und gantzes Land,
Segne, was dir Ehre gibt,
Segne, was den Segen liebt´.“

Johann Roland Fabricius, 1682-1699.
* 22.10.1637, Ober-Widdersheim;  + 11.01.1713, Großen-Linden.

Am 14. Juli 1670 (Geburtstag des Philipp Vigelius) wurde er Diakon hier und zugleich Pfarrer in Hörnsheim, 1682 Pastor in Großen-Linden. 1699 bekam er wegen seines Lebenswandels den Abschied, doch wurde er nicht aus dem Pfarrdienst entfernt. Wir begegnen ihm 1702 wieder als Pfarrer zu Klein-Rechtenbach (seine Verfehlungen müssen nicht groß gewesen sein, sonst hätte man ihn wohl nicht wieder, zumal in solcher Nähe von Großen-Linden, angestellt). Später, im Jahr 1705, wurde er noch Definitor des nassauischen Hüttenbergs. Kurz vor seinem Ende, als er sein Amt nicht mehr verrichten konnte, zog er nach Großen-Linden, wo er bedeutende Güter besaß. Er starb am 11. Januar 1713. Fabritius [Schulte schreibt den Namen: Johann Ruland Fabritius] war der erste Großen-Lindener Pfarrer, der als Oberpfarrer bezeichnet wurde.

Zu seiner Ablösung 1699 habe ich kein weiteres Material gefunden.
Der Sterbeeintrag im KB Großen-Linden lautet:
Am 15 Jan. (1713) wurde begraben Tit. H. M. Roland(us) Fabriti(us) [„us“ ist jeweils durch ein „g“ abgekürzt] vormahls hier gewesener Ober Pfarrer Nachmahls aber Pfarrer und Decan(us) zu Groß und Klein Rechtenbach, der sich kurtz vor seinem Ende anher zu wohnen, .... das Amt zu Rechtenbach .... verricht(en) könn(en), begeben, ist gestorben nacht zwischen 12 und 1 Uhr nach dem iiten Jan. Atatis 75.

Das Familienbuch Großen-Linden, 118, nennt als Ehefrau:
Löös, Anna Apollonia, *März 1645;  +03.04.1722. Es sind 6 Kinder, teilweise nur namentlich, einmal nur Kind, eingetragen, der einzige Sohn Johann Georg wird als Landhauptmann bezeichnet.

Diehl, HS, I, 247:
8. Johann Roland Fabricius, geb. 22.Oktober 1637 zu Ober-Widdersheim, Sohn des Pfarrers Johann Georg Fabricius, 1665-1670 Diakonus in Butzbach, 1670-1682 Diakonus, 1682-1699 Pfarrer in Großen-Linden, 1699 abgesetzt, 1702-1710 Pfarrer in Klein-Rechtenbach, legt 1710 seinen Dienst nieder, + 11. Januar 1713 zu Großen-Linden.

Diakon wird nach der Übernahme des Pfarramtes durch Fabricius1682 Johann Philipp Eckhard von Großen-Linden, der schon am 25. Juni 1676 dem damaligen Pastor Magister Philipp Vigelius als Beihilfe gegeben wurde. Er war dessen Schwiegersohn, wurde am 17.06.1647 als Sohn von Balthasar Eckhard und dessen Frau Anna Elisabetha in Großen-Linden geboren. Im Familienbuch Großen-Linden, 69, sind eine Tochter und 3 Söhne eingetragen, die alle Pfarrer werden. Er stand 56 Jahre im Amte und starb am 23. März 1732. Er hat das Allendörfer Salbuch errichtet. In seine Amtszeit fällt der Vertrag von 1703 zwischen Hessen und Nassau. Durch ihn wurde Hörnsheim, das bisher ausschließlich vom hiesigen Diakon seelsorgerisch bedient wurde, gegen Allendorf, das im Kondominium des Hüttenbergs bisher gestanden hatte, ausgetauscht und dem Diakon als eigene „Pfarrei Allendorf“ zur Versehung übergeben. Im Jahr 1710 war Johann Philipp Eckhard Pfarrer und zugleich dem Pastor des ersteren Sohn Johann Christian Eckhard als Adjunctus zur Seite gegeben worden. In seiner Amtszeit wurde anstelle des „Gadens“, in dem bisher der Diakon gewohnt hatte, das zweite Pfarrhaus errichtet (1710).

Nach des Vaters Tode im Jahr 1732 wurde Johann Christian Eckhard Diakon und Pfarrer zu Allendorf. Er führte dieses Amt bis zum Jahre 1742. Dann wurde er Pastor hierselbst. (s.u.)

Zu diesen beiden Diakonen finden wir bei Diehl, HS, I, 248/49:
10. Johann Philipp Eckhard von Großen=Linden, Sohn des Postboten Balthasar Eckhard, Immatr. Gießen (P.) 1665, 1676-1682 Adjunkt, 1682 bis 1732 Diakonus in Großen=Linden, +21. März 1732. Sein Adjunkt war 1710 bis 1732 sein Sohn Johann Christian, der sein Nachfolger wurde.

11. Johann Christian Eckhard von Großen=Linden, 1732-1742 (siehe Pfarrei).

Johann Georg Nebel, 1700-21.08.1709. 
* 12.06.1648, Lich;  oo 1674;  + 21.08.1709, Großen-Linden.

Er war der Sohn des Ratsschöffen und Krämers Johann Heinrich Nebel in Lich. Von 1671 bis 1677 war er Konrektor in Nidda, dann 1677 bis 1682 Rektor in Grünberg, 1682 bis 1700 Pfarrer in Wallernhausen und von 1700 an hier Pastor oder Ober-Pfarrer.

Die Handschrift dieses Pfarrers ist am schlechtesten von allen im Kirchenbuch Großen-Linden zu lesen. Vielleicht war er ein sehr sparsamer Mensch, jedenfalls bemühte er sich, Einträge zu denen seine Kollegen vielleicht 10 Seiten und mehr brauchten, in einer ganz kleinen Schrift mit vielen persönlichen Abkürzungen auf einer Seite unterzubringen.

Am 20.10.1706 notiert Pfarrer Nebel:
hat mein Zweiter Sohn Johann Georg Nebel zeitig Pfarrer zu Alt. Buseck und drohe, dann verordnet(er) mitpred. zu Großen Buseck seinen hochzeitl. Sonntag gehalten mit der Viel Ehren und tugend begabten Jungfer Eulalia Susanna(?) Christiane Weißenbruchin, weiland des wohlEhrwürdigl. undt wohlgelahrt(en) Albert Weißenbruch, gewes. Seelenwalters Zu Engelroth und dero 5 filiale (im) HochAdel. Lauterbachischen gebiet und bezirck gelegen. und hielte Herr ....[unleserl./Rand] als Superindentent Einen Sermon (?)uber dem Hohen Altar, und copulirte sie. [Es fehlt: Tochter oder Witwe. Da aber von einer Jungfer gesprochen wird, ist wohl Pfarrer Albert Weißenbruchs Tochter hier gemeint.
Nach Diehl wurde Pfarrer Albert Weißenbruch am 23.10.1691 in Engelrod begraben, 57 Jahre alt. Die Pfarrstelle erhielt sein Sohn Johann Heinrich, obwohl er noch nicht 20 Jahre alt war, aus Rücksicht auf seine Mutter, die Witwe von Albert W., da sie 8 unversorgte Söhne und eine unversorgte Tochter hatte].

Der Todeseintrag für Pfarrer Nebel, KB 1, lautet:
Den 21ten Augusti Abends zwischen Acht und Neun Uhr, dießes laufendens 1709 Jahrs, ist der weylandt WohlEhrwürdige und wohlgelehrte Herr Johann Georg Nebel, Pastor primarius allhier zu Großenlinden sanfft und Seel. entschlaffen, und am folgend 25ten Aug. Sontags als den XIII. post Trinit: bey volckreicher versamlung zur Erde bestattet worden. so ihm dann S. T. Ihro Hochwürd(en) H. Doctor Bilefeldt Super Intendens, die Leich Predig über den selbsterwehlten LeichText aus dr II Cor II v 2 getahn, die Parentation aber H. M. Leun Pfarrer zu Langgönß, nachdem er nun in dem darmstätischen Landt in diensten gestanden auff 37. Jahr, hier aber etwas über 9. Jahr. Seines Alters 61 Jahr 2 Monath 8 Tage.

Gott verleyhe ihm eine sanfte und seelige Zeit, am Jüngsten Tag aber eine fröhliche Aufferstehung, uns alle aber Beständigkeit im glauben göttseeligen Wandel ohne Heucheley und nachmahls eine Seel: nachfarth(?) p.

Schulte: In der Sakristei der hiesigen Kirche wird noch ein Grabstein aufbewahrt. Hier seine Inschrift:
„Hier ruht in Gott der weiland Wohlerwürdige, Grosachtbare und Wohlgeborene Herr Johann Georg Nebel, Wohlermeritiert und treu fleißig gewesener Pastor primarius in Groß-Linden, wie auch des Giesischen (Gießener) Convents Senior, natus in Lich 1648 den 12. Juni circa acht koram [horam?], baptizatus den 16. ejusden, susceptor (=Pate) praetor Georg Faber, Ehestand gelebt mit Ernes(tina) Marie, geb. Coburgerin, gezeugt 5 Söhne, eine Tochter (mortunsa) 1709, den 21. August zwischen zehn und elf Uhr. Leichenprdigt gehalten der Oberkirchenrath Bilefeld. Textus: 1. Kor. im 2. Kap. V2, aetat(is) 61 (Jahre).“

Beim Ableben des Pfarrer Nebel stellte der Geheime Rat in Darmstadt fest:
a) daß die Pfarrei Großen-Linden nie anders als mit einem bereits in ministerio Gestandenen bestellt worden sei,
b) daß der Pastor zu Großen-Linden im ganzen Pastoral-Convent Gießen den Vortrag zu tun hätte,
c) daß der Superintendent sich desselben gebrauche, wenn er sollte nicht abkommen können,
d) daß ihm Komissiones gegeben würden, d. h. mit anderen Worten, daß er Senior des Superintendenturconvents war.

Das Familienbuch Großen-Linden nennt als Ehefrau von Pfarrer Nebel:
Coburger, Ernestine Sophia Maria, Butzbach,  *1652, +25.08.1721.
FB Gießen, Anhang; Beerdigungen Ortsfremder:
Nebel, Ernestina Sophia # 25. 8.1721  (69/2) Ww. des Pastor prim zu Großen-Linden.

Es werden 4 Söhne, alle Pfarrer, im FB Großen-Linden genannt.

Diehl, HS, I, 247:
9. Johann Georg Nebel, geb. 12. Juni 1648 zu Lich, Sohn des Bürgers Nebel, Immatr. Gießen 3. Januar 1667, 1671-1677 Konrektor in Nidda, 1677 bis 1682 Rektor in Grünberg, 1682-1700 Pfarrer in Wallernhausen, 1700 bis 1709 Pfarrer in Großen-Linden, + 21. August 1709.

Christoph Ludwig Runckel, 29.11.1709-08.07.1742.
* 14.12.1680, Gießen; oo 1711;  + 08.07.1742, Großen-Linden.

Pfarrer Runckel wurde am 17.12.1680 in Gießen getauft als Christophor Ludovicus, Sohn des Johann Vincenz Runckel, Praec. class (Vater: Christoph R., Diakon in Nidda) und dessen Ehefrau Anna Catharina. Familienbuch Gießen, 3561,2. Sein Vater starb 39jährig am 15.02.1691, also wurde er mit 10 Halbwaise.

Schon sein Vater war ein gelehrter Mann gewesen, der auch ein besonderer Liebhaber der hebräischen Sprache war. Diehl berichtet von ihm:
„Der junge Runckel studierte nach dem Tod seines Vaters in Gießen Theologie und warf sich dabei vor allem auch auf die morgenländischen Sprachen, in denen zuerst Bürcklin und Kempfer und dann Johann Heinrich May der Ältere seine Lehrer waren. Nach Vollendung seiner Studien beabsichtigte Runckel, der eine schwächliche Gesundheit hatte, sich der akademischen Laufbahn zu widmen. Im Jahre 1705 eröffnete er mit Erlaubnis seines Lehrers May ein hebräisches und chaldäisches Kolleg, dem ein griechisches und syrisches Kolleg folgten. 1707 erlangte Runckel bei Gelegenheit der Hundertjahrfeier der Universität die Magisterwürde. Zum großen Erstaunen der Festteilnehmer wartete er am letzten Tag des Festes mit einer Rede in chaldäischer Sprache auf. Der anstrengende Dienst, der von ihm bewältigt werden mußte, zwang ihn, von zusammenhängenden Arbeiten auf seinem Lieblingsgebiete abzusehen. Daß er aber seine Studien nicht etwa an den Nagel hängte, ist daran zu erkennen, daß er auch als Pfarrer noch mancherlei Arbeiten veröffentlichte. Erwähnt sei, daß im Jahre 1729 wegen einer Berufung Runckels auf die durch Rüdigers Tod erledigte ordentliche Professur der Theologie verhandelt wurde.“

Schulte erwähnt weitere schriftstellerische Arbeiten Runckels und verweist auf das angeführte Buch, das aber leider nicht näher bezeichnet wird (wahrscheinlich von Diehl, aus dem auch obiges Zitat ohne Quellenangabe stammt).

Zu Pfarrer Runckel findet sich der folgende Sterbeeintrag im Kirchenbuch in Großen-Linden:
dienstags am 10.ten Julii (1742) hora u. promend(?) H. M. Runckel (Christoph Ludwig) Pastor Primarius begraben worden (M. Eckhard Diac. concionem sup Rom VIII et Pastor Langengöns Leun Parentat. habnerunt) starb Dnic VII p. Trin., den 8. ejusdem morgens um 4 Uhr nach einer langwierigen Kranckheit der (?)Hemieranie. Alt 61. Jahr, 6. monath, 13 Tage. War gebohren zu Gießen ao 1680, den 14. 10bris, getauft den 17. ejusdem. Zum Pastorat hieher gekommen ao 1709. Vorgestellt den 29. 9bris. Copuliret mit Ihro Herrn(??) Prof. Ortensitz(?) Magnif. Rector: Jungfer Tochter. Im Amt gestanden u die 33. Jahr.

Im Familienbuch Großen-Linden, 509, sind zu Pfarrer Runckel und seiner Frau
Orth, Anna Catharina,  *22.09.1688;  +28.07.1746, Großen-Linden, 8 Kinder eingetragen.
Sohn Georg Christian, *18.04.1722, Großen-Linden;  +1778 wird als Pfarrer der Reichsstadt Worms genannt, Tochter Luise Catharina, *13.09.1735 heiratet 1757 Bender, Lorenz Christ., ev. Pfarrer zu Kochendorf in Schwaben.
Der älteste Sohn Christoph Simon, *21.08.1712,  +1804, wird 1743 Diakon in Großen-Linden, 1760 Pfarrer in Ober-Roßbach.
Anna Catharina Orth ist unter Nr. 3113,6 im Familiebuch Gießen, getauft am 23.9.1688, zu finden.

Diehl, HS, I, 247:10. Christoph Ludwig Runckel, geb. 14. Dezember 1680 zu Gießen, Sohn des Pädagoglehrers Johann Vincenz Runckel, Immatr. Gießen 3. September 1697, 1709-1742 Pfarrer in Großen-Linden, + 8. Juli 1742.

Johann Christian Eckhard, 05.11.1742-02.08.1747. 
* 19.04.1682, Großen-Linden;  + 02.08.1747, Großen-Linden.

Wie schon oben erwähnt war Johann Christian Eckhard der Sohn des Diakons und Pfarrers zu Hörnsheim, später Allendorf, Johann Philipp Eckhard. Ab 1710 war er Adjunct, Gehilfe, seines Vaters und der Pfarrei. Nach dem Tod des Vaters erhielt er dessen Stelle als Diakon in Großen-Linden und Pfarrer in Allendorf. Am 5. 9bris, also am 5. November 1742 wird er von Superintendent Liebknecht in sein Amt als „Ober-Pfarrer“ eingeführt, zusammen mit seinem Nachfolger als Diakon Christoph Simon Runckel, dem Sohn des oben genannten Pfarrers Runckel. Der Diakon wird dann am 12.11. in Allendorf vorgestellt.

Der entsprechende Eintrag findet sich im Kirchenbuch 1 Großen-Linden in dem Verzeichniß derer allgemeinen Buß-Fast-Und Bethtags Texten und anderes. Er beginnt:
Ano 1742 den 5. 9br. Ich M. Eckhardt in die 32. Jahr geweßener Diacon(us) allhier und Pfarrer in Allendorff, und H. Candidat(us) Runckel, zu Gießen in Examine geweß(en), weil von Ihre Hochfürstl. durchl. Ich zum Pastore primariou.
H. Runckel zu Diacono Rescriptu verordnet worden ...
[Der Eintrag ist sehr schwer lesbar, auch weil er angefüllt ist mit „lateinischen“ Abkürzungen.]

Für Pfarrer Eckhard wird im Familienbuch Großen-Linden als Ehefrau, ohne Daten, angegeben:
Geilfuß, Cath. Marg. Louise, Heuchelheim
Es sind drei Töchter und zwei Söhne eingetragen, wovon einer Leibmedizinus in Darmstadt wird, der jüngere Pfarrer zu Sallhalben b. Zweibrücken.

Zu Pfarrer Eckhard findet sich folgender Sterbeeintrag im KB 1 Großen-Linden:
Freytags am 4ten August (1747) wurde begraben H(err) M: Joh Christian Eckhardt anfangs in die 33 Jahr gewesenen Diaconus in Großlind und Pastor zu Allendorft hierauf aber in die 5 Jahr OberPfarrer in Groß= und Klein Linden (die Leichpredigt hielte C S Runckel Diaconus über Röm: VIII v 22.23) starb an einer innerlichen Inflamation, Mittwochs am 2ten ejgd Mittags gegen 1 Uhr. Alt 65 Jahr 3 Monath 15 Tage.

Diehl, HS, I, 247:
11. Johann Christian Eckhard, geb. 19. April 1682 zu Großen-Linden, Sohn des Diakonus Johann Philipp Eckhard, Immatr. Gießen 2. September 1699, 1710-1732 Adjunkt des Diakonats, 1732-1742 Diakonus, 1742-1747 Pfarrer in Großen-Linden, + 2. August 1747.

Zu Diakon Runckel, 358:
Christoph Simon Runckel von Großen=Linden, Sohn des Pfarrers Christoph Simon Runckel, Immatr. Gießen 13. April 1729, 1742-1760 Diakonus in Großen=Linden, 1760-1804 Pfarrer in Ober=Rosbach, + März 1804, alt 92 Jahre.

Jacob Eberhardus Fäuerbach, 31.03.1748-18.12.1771. 
* 12.03.1709, Darmstadt;  + 18.12.1771, Großen-Linden.

Von Pfarrer Fäuerbach findet sich folgender Eintrag zu seinem Amtsantritt unter dem Datum
Anno 1748  7. April [Bei Diehl und bei Schulte wird 1747 als Antrittsjahr angegeben.]
Nach der Nennung von Bibeltexten schreibt er:
über die zwey erstere Texte habe Ich gepredigt, nachdem Ich 8. Tage vorher Dominica Judica den 31.ten Martj von Ihro Hochwürdl. H. Superintendent Benner als Ober=Pfarrer der Gemeinden Grosen= und Klein Linden allhier offentl. in der Kirche war Vorgestellt worden. Von dem durchl.sten Fürsten und Herrn, Herrn Landgraf Ludwig VIII. zu Hessen darmstadt hatte Vorher auf den 1ten Christ=feyertag 1747 eine gnädigste Vocation (zum hiesigen Pastorat) in Laubach erhalten, woselbsten bisher als Hof-Diaconus, Stadt Pfarrer und Bibliothecarius gestanden.

Die Antritts=Predigt hielte am Vorgedachten Sonntag Judica aus Ezech. III. 17, 18, 19 woraus Ich das geistl. Wächter=amt der Lehrer und Prediger vorstellete. Die Assistenten bey dieser Vorstellung waren H. Pfarrer Leun von LangGönß und H. Diaconus Runckel mein H. Colleg allhier. Nach verrichtetem Gottesdienst wurde eine Mahlzeit in der Pastorey gegeben.

Meine Geburths Stadt ist darmstadt, als woselbsten mein seeliger Vatter Johann Peter Fäuerbach erster Stadt Pfarrer, Consistorii Assessor und Prohls(?Prof.?) definitorii gewesen.

     Gott lasse mich auch um Christi willen ein gesegnetes werkzeug in seyner Hand seyn, daß
     seines groß(en) Nahmens Ehre meine und meiner Zuhörer Seeligkeit zu befördern Von
     Ihme selbsten immer mehr und mehr möge tüchtig gemacht werd(en) 
                                                                  Jacob Eberhard Fäuerbach

In seiner Amtszeit treten zwei Diakone ihren Dienst an:
Freytags den 25ten Decembr. 1760 wurde H. Johann Conrad Euler bißheriger Stadt-Praeceptor zu Gießen als Diaconus allhier von Ihro Hochwürd. H. Superintendent D. Benner in Gegenwart H. Raths Wittich vorgestellet. die beyden Assistenten waren Ich, der Pastor und mein bißheriger H. Colleg Christoph Simon Runckel, als denominirter Ober-Pfarrer zu Ober Roßbach. nachdeme H. Euler Mitwochs vorher zu Allendorf als Pfarrer war vorgestellt worden.

Zu ihm schreibt Diehl, HS, I, S. 321: Johann Konrad Euler von Leysa, Immatr. Gießen 22. März 1747, 1750-1760 erster Stadtschulmeister in Gießen, 1760-1768 Diakonus in Großen=Linden, 1768-1785 Pfarrer und Inspektor in Nidda, * 20. März 1785.

Dom IV. Advent 1768 wurde der bißherige Candidatus Ministerii und Hofmeister bey dem jungen H. Baron von Wallbrunn, Joh. Ludwig Ferdinand Arnoldi auß Gießen bürtig, wo sein s. H. Vatter Prof. iur extraord. gewesen, Von Ihro Hochwürd. H. Superintendent D. Benner als Diaconus in Gegenwart H. Regirung Raths Mayers zu Gieß(en) allhier vorgestellt, nachdeme derselbe vorher den 2ten Sonntag des Advents zu Allendorf war vorgestellt worden, als Pfarrer daselbst.

Zu ihm schreibt Diehl, S. 249: Johann Ludwig Ferdinand Arnoldi, geb. 25. Juni 1737 zu Gießen, Sohn des Professors der Rechte Ernst Christoph Arnoldi, Immatr. Gießen 10. April 1754, 1759-1768 Hofmeister, 1768-1783 Diakonus in Großen=Linden, + 29. Oktober 1783.

Otto Schulte berichtet über eine „Nebentätigkeit“ von Diakon Arnoldi:
In seiner dienstfreien Zeit widmete er sich besonders dem Unterricht der Taubstummen, die er in sein Haus gezogen hatte. Über seine Tätigkeit und seine Erfolge berichtete der hochfürstliche Hessen-darmstädtische Staats- und Adreßkalender von 1782, 1783 und 1788. Arnoldi war, so heißt es im erstgenannten, durch einen Zufall auf diese nützliche Beschäftigung gekommen.

Er trat nach geendigtem Universitätsstudium eine Hofmeisterstelle  in dem Hause des General-Majors von Rabenau zu Appenborn im Hessischen an. Dessen ältester Sohn hatte das Unglück, taub und stumm geboren zu sein. Arnoldi fand, daß die Sprechwerkzeuge dieses Jünglings keinen Fehler hätten. Der Trieb desselben zur Geschäftigkeit ermunterte ihn, alles anzuwenden, ihm den Mangel des Gehörs einigermaßen zu erleichtern. Anfangs versuchte er alle ihm bekannten Mittel, das Gehör zu wecken, aber vergebens. Nun schlug er einen anderen Weg ein. Er beobachtete die Lage und Bewegungen der Zunge, des Mundes und der übrigen Sprechwerkzeuge bei der Aussprache eines Buchstabens und brachte es durch unermüdliche Bemühungen dahin, daß sein Eleve binnen sechs Wochen das Alphabet ziemlich vernehmlich aussprechen lernte. Jetzt lehrte er ihn, die Buchstaben in Silben und Wörter zusammenzusetzen und machte darauf den Versuch zum Lesen. Durch Zeichnen und Vorlegen der Sachen selbst machte er das Gelesene verständlich. So ging er Schritt für Schritt in seinem Unterricht vor und gelangte binnen zwei Jahren soweit, daß sein Schüler, wie das von Herrn von Rabenau ausgestellte Zeugnis besagt, etwas rechnen, vieles ziemlich deutlich aussprechen, mit anderen reden, seine Gedanken zu Papier bringen, Zeitung und leichte deutsche Bücher verständlich lesen konnte, ja imstande war, sein Glaubensbekenntnis öffentlich sowohl schriftlich als mündlich abzulegen.

Die glückliche Folge dieses ersten Versuchs war die Veranlassung, daß Arnoldi auch nach dem Antritte seines Pfarramtes in Großen-Linden sich mit dem Unterricht taubstummer Personen beschäftigte. Arnoldi hat 1777 ein Werkchen geschrieben „Praktische Unterweisung, taubstumme Personen reden und schreiben zu lehren“. Eine langwierige Krankheit hat ihm leider viel zu schaffen gemacht, und er ist schon, 46 Jahre alt, am 29. Oktober 1783 gestorben. Seine Frau Susanne Barbara, geb. Rullmann, folgte ihm fünfzehn Tage später im Tode nach.

Das Familienbuch Großen-Linden, Nr. 1, nennt die Geburtsdaten von 5 Kindern des Ehepaars Arnoldi.
Soweit zu Diakon Arnoldi. Kehren wir zurück zu Pfarrer Fäuerbach, der zum Tod seiner 2. Frau selbst notiert:
Freytags den 11ten Januarii (1760) morgens gegen 9 Uhr starb an der jetzo grassirenden hitzigen Kranckheit Frau Maria Friderica, eine geb. Schottin von Darmstadt, meine des Pastoris Fäuerbachs 2te Eheliebste, edito, durante morbo, egregio fidei certamino, in Christo Ihrem Erlöser sanft und seelig. Sie wurde auf den Kirchhof in das Fabricische Begräbnis, wo Pastoris Fabricii Grabstein in der Kirchhof Mauer befindl. begraben, weilen sie bey Ihrem Leben ernstl. Verbothen, sie in die Kirche beyzusezen. Ich der Pastor war nebst allen Kindern dergestalt Kranck, daß keiner von uns sie zu Ihrer Ruh=Stätte begleiten konte. H. Pfarrer Dornseif von Leygestern hielte die Leichen-Predigt über die worte Paulli: Ich habe einen guten Kampf gekämpfet pp. weil mein H. Colleg auch noch Kranck war.
wir hatten in der Pastorey vom 4ten Septembr. 1759 bis den 15ten Jan. 1760 Einquartierungen und also beständig die grösten Unruhen im Hause, welches Vieles zu unserer aller Kranckheit beygetrag(en).
Sie war alt 38. Jahr A.R.J.A.P.

Sein Sterbeeintrag nimmt im Kirchenbuch Klein-Linden eine ganze Seite ein:
17 Pro Memoria! 71
Mittwochs, den 18ten Decembris, Abends um 9. Uhr, ist der weiland HochwohlEhrwürdige und Hochgelahrte Herr, Herr Jacob Eberhardus Fäuerbach, treufleißig gewesener Pastor Primarius zu Grosen Linden, und hochverdient gewesener Prediger und Seelsorger zu Klein= Linden, in einem ruhmvollen Alter von 63. Jahren, sanft und seelig entschlafen, und am 21ten ejusdem begraben worden. LeichText: 1. Tim. 1.  v. 15. Das ist ja gewißlich wahr p.

Gesungen: 1.) Was Gott thut, das ist wohl p.
               2.) Freunde stellt das Weinen p.
               3.) Lasset ab, ihr meine Lieben p.
                               der 9te vers:
              4.) Meinen Jesum laß ich ..p.
Leichen Predigt that Herr Diaconus Arnoldi;
die Parentation aber: Herr Pfarrer Dornseiff von Leygestern.

Das Familienbuch Großen-Linden nennt 5 Kinder, von denen nur zu einem Sohn ein Geburtsdatum genannt ist. Die anderen sind nur namentlich genannt.

Diehl, HS, I, 247:
12. Jakob Eberhard Fauerbach, geb. 1709 zu Darmstadt, Sohn des Stadtpredigers Johann Peter Fauerbach, Immatr. Gießen 5. November 1725, 1738 bis 1744 Rektor, 1744-1747 zweiter Stadtpfarrer, Hofdiakonus und Bibliothekar in Laubach, 1747-1771 Pfarrer in Großen-Linden, + 18. Dezember 1771.

Johann Ludwig Wilhelm Vietor, 05.07.1772-22.10.1788.
* 05.05.1745, Egelsbach;  + 30.06.1829, Alsfeld.

Im Kirchenbuch finden wir:
Anno 1772 / 5. July / als Ober Pfarrer in Gr. und Kl.-Linden eingeführt. 
Joh. Ludwig Vietor.
Mein Geburtsort in welchem ich zuerst das Licht der Welt erblickte, den 5ten May 1745, heißt Egelspach, ein bey darmstadt gelegenes dorf, wo mein Vater als Pfarrer stand, der nun aber als erster Stad Prediger in Darmstadt steht. die assistenten bei meiner Vorstellung waren
1) H. Pfarrer Sartorius von Haussen u.
2) H. Diaconus Arnoldi.
Nach dieser solennen Handlung nahmen sämtl. Anwesende u. H. Reg. Rat Sues als zeitiger Amtmann eine Mahlzeit hier in der Pastorey ein.
Gott lasse mich zur Ehre seines Namens hier seyn u. mache mich u. die anghen(??) selig.
                                            Joh. Ludwig Wilh. Vietor.
Am Rand dieses Eintrags ist vermerkt:
Er zog den 22 Octobr. 1788 von hier nach Alsfeld als Inspector daselbst.

Schulte berichtet über Pfarrer Vietor nur noch, daß er der Verfasser eines Aufsatzes über Großen-Linden im Hessen-darmstädtischen Staats- und Adreßkalender von 1789, S. 252, ist, aus dem die Redaktion eine Charakteristik der Großen-Lindener Einwohnerschaft gestrichen habe. In Alsfeld sei die „Vietorgasse“ nach ihm benannt.

Im Familienbuch Großen-Linden finden wir unter 706 nur:
Vietor, J.Ludwig Wilhelm, 13. Pastor
Hopfenblatt, Louisa Wilhelmina, aus Pirmasens.
Es sind keine Daten angegeben, keine Kinder eingetragen.

Diehl, HS, I, 247 und 389:
13. Johann Ludwig Wilhelm Vietor von Langen (?), 1772-1788 (115).
     115: Alsfeld:
         15. [15. Pfarrer in Alsfeld] Johann Ludwig Wilhelm Vietor, geb. 5. Mai 1745 zu Langen (?), 1772 bis 1788 Pfarrer in
              Großen-Linden, 1788-1829 Pfarrer und Inspektor in Alsfeld, + 30. Juni 1829.

In der Amtszeit von Pfarrer Vietor trat Christian Henrich Degen sein Amt als Diakon an:
Dominica Judica 1784 wurde der bisherige Canditatus Theologia Christian Henrich Degen, des weil(and) in Oberhörlen gestandenen H. Pfarrer Degens nachgel. H. Sohn als Pfarrer in Allendorf, u. Diaconus in Groslinden vorgestellt. Die Handlung wurde durch M. Superint. D. Stasemüller(?) verrichtet. die beiden assistenten waren ich der Pastor Vietor u. H. Pf. Sell von Langgöns, welcher actus mit einer freundschaftlichen Mahlzeit in der Caplaney beschloßen wurde.

Zu ihm schreibt Schulte:
Im Jahre 1810 wurde er vom Amte removiert. Er starb 69jährig am 15. August 1823 hierselbst. In dem Beerdigungsprotokoll steht: „Er war 26 Jahre lang zweiter Pfarrer gewesen und im Jahre 1810 ausgendiert worden. Ein großer Teil der hiesigen Gemeinde- glieder ersuchte mich aber, diese Leiche gleichfalls feyerlich abzuholen, welches dann auch geschehen ist und als ein Beweis der Anerkennung wesentlich guter Eigenschaften des Verblichenen von Seiten seiner ehemaligen Zuhörer, worunter sich sehr viele rechtliche Männer befinden, hier beurkundet zu werden verdient.“

Diehl, HS, I, 249:
15. Christian Heinrich Degen von Ober=Hörlen, Sohn des Pfarrers Johann Heinrich Philipp Degen, Immatr. Gießen 30. Dezember 1771, 1783-1809 Diakonus von Großen=Linden, 1809 wegen ärgerlichen Lebens abgesetzt.

Das Familienbuch Großen-Linden nennt als seine Frau: Fries. Charlotte Elisab. Jacobine.
Ein Sohn und zwei Töchter sind eingetragen.

Christian Friedrich Lindenmeyer, 1788-04.09.1806.
* ??.??.1739, Zwingenberg;  + 04.09.1806, Großen-Linden.

Schulte schreibt von ihm, daß man weit besser über ihn unterrichtet sei, als über den Vorgänger. Johann Heinrich Campe habe ihn auf der Durchreise durch die Landgrafenschaft Hessen im Jahre 1785 in Jugenheim besucht und ein sehr anziehendes Bild von dem Manne und seinem Leben entworfen, das in Diehls Hessischen Volkskundebüchern Nr 21 und 22 im Jahr 1915 veröffentlicht worden sei. Auch habe Ludwig Lindenmeyer, der Neffe des Pastors in dem „Jahrbuch meines Lebens“ das Leben im Hause des Großen-Lindener Pastors in den Jahren 1794 und 1795 geschildert.

Unter seinem Beerdigungseintrage im Kirchenbuche steht ein griechischer Vers, zu deutsch: „Er schläft einen heiligen Schlaf. Sage nicht, daß die Guten sterben.“

Zu Pfarrer Lindenmeyer ist im Familienbuch Großen-Linden, Nr. 332, als Ehefrau, ohne Daten, Satorius, M. Eleonora Christ. eingetragen. 8 Kinder sind notiert, meist nur mit dem Geburtsjahr.

Diehl, HS, I, 247:
14. Christian Friedrich Lindenmeyer, geb. 1739 zu Zwingenberg, Sohn des Schulmeisters Christoph Lindenmeyer, Immatr. Gießen 9. Mai 1761, 1771-1788 Pfarrer in Jugenheim, 1788-1806 Pfarrer in Großen-Linden, + 4. September 1806.

Christian August Hoffmann, 1807-1837.
* 05.04.1783, Darmstadt;  + 13.01.1855, Echzell.

Eine starke Persönlichkeit, die man ruhig mit Stockhausen und Vigelius unter die bedeutendsten Großen-Lindener Pastoren zählen kann, begegnet uns in Lindenmeyers Nachfolger, Christian August Hoffmann, der von 1807 bis 1837 hier erster Pfarrer war, schreibt Schulte zu ihm. Das Pfarrarchiv enthalte viele und bedeutende Schriftstücke von ihm. Diese sind heute wohl im kirchlichen Zentralarchiv in Darmstadt gelagert.

Außer der wohl bekanntesten Schrift von Pfarrer Hoffmann „Die Feier des dritten Evangelischen Jubelfestes zu Gros= und Klein=Linden nebst einigen geschichtlichen Nachrichten über diese Orte.“ Grosenlinden 1817, nennt Schulte  als Schriften des ernsten Rationalisten Hoffmann noch folgende Auswahl:
-“Anweisung auf einen leichten und sicheren Weg Lesen und Schreiben zu lernen.“
-“Progressives Lehrbuch für Anfänger.“
-“Unterricht der christlichen Religion.“
-“Lehrbuch der christlichen Religions- und Jugendlehre.“
-“Ein Sprüchbuch.“
-“Das Leben Jesu für die Schulen.“
-“Kurze Anleitung zur Entwerfung von Familienbüchern.“
-“Kurzer christlicher Lehrbegriff für den Schul- und Konfirmandenunterricht.“
Ein freilich nicht vollständiges Verzeichnis seiner Schriften steht in „Scriba“, Lexikon der Schriftsteller des Großherzogtums Hessen, 1. Abt., S. 147.

Unter den zahlreichen Aufzeichnungen Hoffmanns im hiesigen Pfarrarchiv finden sich einige größere Aufsätze, von denen ich hier nur das Schriftstück „Einige Bemerkungen über die Entwicklung des Parochialverhältnisses des Pastorats Grossenlinden und seiner Filiale“ nenne, eine Musterleistungs, die den gründlichen Forscher zeigt und heute noch so von Werte ist, daß ich es der Handbibliothek des ersten Pfarrers eingereiht habe. [Leider nicht mehr dort zu finden.]

Weiter schreibt Schulte über Pfarrer Hoffmann:
Auch in die bauliche Gestaltung der Kirche hat er eingegriffen. Er hat sozusagen das Schiff von dem Chor durch eine Zwischenwand getrennt, so daß der ganze Chor ein unbenutzter Raum war, und er ist auf diese Tat so stolz gewesen, daß er jeden Nachfolger verwünscht hat, der es wagen würde, an diesem Werk zu ändern. Der Schreiber dieses, unter dem 1906 bis 1908 der Umbau des Inneren der Kirche vollzogen wurde, ist dieser Übeltäter gewesen. Es gibt noch ein Bild der Kirche aus dem Jahr 1822 (Aquarellskizze des Pfarrers Schneider von Oberau), das so recht zeigt, wie der damalige so kluge und gescheite Pfarrer keinen Sinn gehabt haben muß für die schöne Umgebung der Kirche.

Merkwürdigerweise habe ich unter den zahlreichen Aufzeichnungen von Hoffmann keine einzige gefunden, in denen auch nur eine Andeutung über die Napoleonische Zeit und die Befreiungskriege am Anfang des 19. Jahrhunderts enthalten war, ebensowenig über die Einquartierungen, die damals Ort und Pfarrhaus erlebt haben. Und doch ist unter den militärischen Gästen im Orte im Jahr 1813 Generalleutnant von York gewesen, der wahrscheinlich im Pastorate wochenlang gewohnt hat.

Hier noch sein Lebenslauf: Christian August Hoffmann war am 5. April 1783 zu Darmstadt als Sohn des damaligen Oberamtsassessors und späteren Geheimen und Oberkriegsrates Hans Wilhelm Hoffmann geboren. Nach dem Besuch des dortigen Gymnasiums studierte er von 1800 bis 1804 in Gießen, Göttingen und Halle, wurde im Jahr 1804 Mitprediger und Lehrer an der Schule zu Arnsburg, wo er zugleich Feldprediger der Brigade Erbprinz war und am 5. August 1807 erster Pfarrer zu Großen-Linden, später noch Dekan und Schulcomissär. Am 23. Juni 1737 [1837] wurde er erster Pfarrer zu Echzell im Dekanate Büdingen. Bei Gelegenheit seines 50. Dienstjubiläums am 27. Dezember 1854 wurde er von der Universität Gießen zum Dr. theol. und von den Gemeinden Echzell und Großen-Linden zum Ehrenbürger ernannt, nachdem er ein Jahr zuvor den Titel Kirchenrat erhalten hatte. Er starb am 13. Januar 1855.

Pfarrer Hoffmann betrieb intensive genealogische Forschungen. In Großen-Linden legte er 2 Familienbücher an, die leider von den Nachfolgern nicht weitergeführt wurden; zu Großen-Linden (Grundlage des von Frau Hiltrud Wagner veröffentlichten Familienbuchs Großen-Linden) und zu Klein-Linden (von mir wegen der Lückenhaftigkeit nicht weiter verwendet).

Er trug auch aus dem Protocollum des Pfarres Vigelius, soweit es ihm noch erhalten war, Geburten nachträglich in das Kirchenbuch 1 von Großen-Linden ein (siehe: Verwendete Kirchenbücher). Das in Darmstadt als KB 2, in Großen-Linden als KB 3, geführte „Kirchenbuch“ beinhaltet eigentlich nur private Notizen dieses Pfarrers zu Copulationen und Sterbefällen, entnommen aus dem genannten Protocollum. (s. ebenfalls dort)

Private genealogische Notizen von Pfarrer Hoffmann sind im Archiv der Kirchengemeinde Echzell erhalten. In diesen ist ersichtlich, daß Pfarrer Hoffmann auch die Akten des Centgerichts Lindes, heute im Stadtarchiv Gießen, zu seiner Zeit wohl im Archiv der (pol.) Gemeinde Klein-Linden, ausgewertet hat. Wahrscheinlich war ihm auch das Vogteigerichts-buch Allendorf bekannt. Alle bei ihm genannten vorkirchenbuchlichen Daten zu einzelnen Personen, alle verwandtschaftliche Beziehungen ließen sich aus den Centgerichtsakten belegen.

Umso verwunderlicher, bei seiner Kenntnis der Familienzusammenhänge, sind folgende zwei Notizen zu Lindes in dem Büchlein über das 3. Jubelfest 1817:

Kleinlinden hat sich erst kurz vor dem ersten evangelischen Jubelfeste durch Ansiedlung einiger (8) Familien, welche alle, eine einzige ausgenommen, aus Grosenlinden abstammten, zur Gemeinde gebildet. Im Jahre 1613 wurde die dasige Kapelle gegründet, und bis zum zweiten Jubelfeste, 1717, hatte sich die Zahl der Einwohner auf 206 durch innern und äusern Zuwachs vermehrt. Gegenwärtig beläuft sich die Seelenzahl von Kleinlinden auf 312, übertrifft also die von 1717 um !/3. Bis zum vierten Jubelfeste, 1917, könnte sie wohl die Zahl von 450-470 erreichen. (Seite 16) [Den Zuwachs konnte Pfarrer Hoffman natürlich nur gradlinig extrapolieren, damit wurde seine Schätzung aber von der tatsächlichen Bevölkerungsentwicklung vielfach überholt.]

Kleinlinden oder eigentlich Lindes bildete sich erst 1580-1590 zu einer Gemeinde, in welcher Zeit sich von Grosenlinden aus einige Familien dort ansiedelten. Anno 1613 erbauten diese die dortige Capelle, ohne jedoch den Vortheil eines eigenen Gottesdienstes zu geniesen, welcher ihnen zuerst durch einen Privat-Accord mit dem Pastor von Linden, und zwar unter denselben Einschränkungen, wie vorher dem Filiale Hörnsheim, zwischen den Jahren 1621-1647 zu Theil wurde. (Seite 26)

Hier kann ich nur annehmen, daß Pfarrer Hoffmann seine familiengeschichtlichen Forschungen, die ganz anderes aussagen, erst nach 1817 betrieben hat. Vielleicht ist er auch einer alten und falschen Legende aufgesessen, daß Lindes eine Gründung von Großen-Linden sei. Noch 1997, bei einem Unterricht in der Klein-Lindener Schule, begegnete ich der Frage, ob es stimme, daß die Großen-Lindener einmal ihre armen Einwohner „ausgesiedelt“ hätten und dadurch der neue Ort Klein-Linden entstanden sei. Hier scheint eine sehr alte Legendenbildung vorzuliegen, die nichts mit den noch feststellbaren Tatsachen zu tun hat. Seit Beginn der  erhaltenen Kirchenbücher (siehe dort) gibt es wenige familiäre Beziehungen zu Großen-Linden, wesentlich mehr aber zu Heuchelheim, von wo etwa zwischen 1650 und 1750 eindeutig die meisten Zuwanderungen kommen.

Pfarrer Hoffmann war derjenige Pfarrer, der den Privatvertrag mit Lindes kündigte, siehe oben. Vom Mai 1816 bis zum 1. November 1817 hielt er keinen Gottesdienst in Klein-Linden.

Abschließend sei nun noch seine Beschreibung des dritten evangelischen Jubelfestes in Klein-Linden zitiert, nach ca. 17 Monaten wieder der erste Gottesdienst in Klein-Linden:
Auf ähnliche Weise wurde auch in dem Filial:Orte von Grosenlinden, zu Kleinlinden, das Jubelfest begangen. Weil, dem Herkommen gemäs und durch die kirchliche Feier am ersteren Ort verhindert, diese Feier bei letzterer Gemeinde nicht schon am 31. Oct. statt finden konnte, so wurde daselbst dieser erste Tag der geselligen Freude gewidmet. - Am 1. Nov. aber, Mittags 2 Uhr, zog ich mit der Gemeinde und Schuljugend aus dem Schulhause unter Absingung des oben bemerkten Liedes: „Lob, Ehr und Preis“ nach dem grosen freien Plazze in der Mitte des Ortes, wo dessen vier Strasen, wie Strahlen eines Kreises zusammen laufen, und wo die Gemeinde an Sonntagen oder in Feierstunden sich zu versammeln pflegt. Wir bildeten einen Kreis um die Grube, welche für die als Denkmal zu pflanzende Linde, die von da aus fast jedem Haus wahrgenommen werden kann, schon gefertigt war. Nach geendigtem Gesang hielte ich auf ähnliche Weise, wie des Morgens zuvor in Grosenlinden, eine Anrede an die Gemeinde über den Sinn der bezweckten Pflanzung. Hierauf wurde der Baum mit derselben Feierlichkeit, wie an jenem Orte, gepflanzt und alsdann zur Kirche hinab gezogen. Auch hier fiel die für die Orts:Armen gesteuerte Collecte reichlich aus, dann sie betrug nebst dem Opfer 8 ½ fl.[Gulden], und stand also mit der in der Mutterkirche eingekommenen im Gleichverhältnisse. [Bei dem Platz muß es sich um den heutigen Maiplatz gehandelt haben, die 4 Straßen des damaligen Lindes sind die heutige Wetzlarer Straße, Obergasse/Maiplatz, Lützellindenerstraße und wohl schon die Hintergasse; es könnte aber auch noch die heutige Wetzlarerstraße in zwei Straßen aufgeteilt gewesen sein: erstens von der Burg bis zum Maiplatz, zweitens dann von dort das schon bebaute kurze Stück  Richtung heutiger Kreuzung B 3/B 49]

Nach vollendeter, allgemeine Freude und Zufriedenheit erregender, Prüfung der Jugend, wurden 9 Prämien unter die fleisigsten Schüler und Schülerinnen vertheilt, die Communicanten zu dem Genusse des heil. Abendmahls auf den folgenden Tag vorbereitet und die Kinder eingeladen, nach geendetem Gottesdienste in der Schule sich zu versammeln, wo sie, wie die Schüler zu Grosenlinden, sämmtlich beschenkt und gelabt wurden. - Am Morgen des folgenden Tages, am 22ten Sonntage nach Trinitatis, hielt ich die vorgeschriebene Jubelpredigt und reichte das heil. Abendmahl, wozu sich 104 Personen gemeldet hatten. - Bemerkenswerth ist es, daß ich, nach einer mehr als Jahres langen Unterbrechung des Gottesdienstes, die durch eine Irrung in der Gemeinde veranlaßt wurde, welche nunmehr zum Kirchgange nach der Mutterkirche höchsten Orts angewiesen worden war, an diesem Feste den Wunsch der Gemeinde Kleinlinden erfüllte, ihr wiederum die Haltung eines eigenen Gottesdienstes zu verwilligen, ein Umstand, der die festliche Freude um ein Groses steigerte.

   Dankend muß ich die Willfährigkeit des Gemeinde= und Kirchen=Vorstandes und die einstimmige, herzliche Theilnahme sämmtlicher Gemeindsglieder an beiden Orten dieses Kirchspiels, welche sich bei diesem Feste an den Tag gab, rühmen. Auch in keinem einzigen Stükke waren die wohlgemeinten Vorschläge gehindert. Die Kosten für Anschaffung des Papiers, der Prämien, des Weisbrodes, des Weines für die Kinder und der Befriedigung der gepflanzten Bäume, waren zu Grosenlinden gemeinschaftlich aus dem K. Kasten und dem Stadt=Aerario; und zu Kleinlinden, wo der unvermögende K. K.[Kirchenkasten = Kasse der Kirchengemeinde] nichts zu leisten vermag, von der Gemeinde allein bestritten, die 2 Bäume am ersten Ort aber von dem zeitigen Bürgermeister (Johann Georg Menges, Rathsschöffe) geschenkt worden.

.....

Seit dem letzten Jubelfeste wurden zu Grosenlinden 2050 und zu Kleinlinden 920 Menschen gebohren. Von jenen leben etwa noch 760, von diesen 285 Personen, und es haben also an ersterem Orte gegen 3/8 an letzterem 4/13 der im Jahrhunderte Gebohrenen das Jubiläum erlebt. - Von denen, welche bei dem zweiten Jubelfeste, vor 100 Jahren, schon gebohren waren, ist keins bis zu diesem dritten übrig geblieben; ein Umstand, der freilich nicht befremden kann; aber auffallender ist es, daß von den 470 Menschen, welches jenes Fest in Grosenlinden erlebten, nur 13, und von den 206, welche in Kleinlinden dasselbe erlebten, nur 9 Söhne oder Töchter übrig geblieben sind, um gegenwärtiges Jubelfest mit zu feiern. - Vor 200 Jahren belief sich die Zahl sämmtlicher christlicher Einwohner von Grosenlinden beiläufig auf 350, vor hundert Jahren auf 470, jetzt zählt Grosenlinden 807 Seelen. Es hat sich also die Menschenzahl vom ersten bis zum zweiten Jubelfeste um 1/4, von dem zweiten bis zum dritten um 5/12, in den 2 Jahrhunderten aber etwa um 9/7 vermehrt. Nach diesem Maastabe fort geschlossen kann die Gemeinde bis zum nächsten Jubiläum wohl auf 1300 Seelen anwachsen.

Kleinlinden hat sich ... [siehe oben].

Im Familienbuch Großen-Linden werden für Pfarrer Hoffmann 3 Ehen angegeben. Zur 1. Ehe ist ein Sohn eingetragen, zur 2. Ehe sind 8, zur 3. fünf Kinder genannt. Für ihn wird als Geburtsdatum der 05.03.1783 angegeben. Nur zu 3 Kindern der 2. Ehe, die als Kleinkinder in Großen-Linden starben, sind Sterbedaten genannt.

Diehl, HS, I, 247 und 312:
15. Christian August Hoffmann von Darmstadt, 1807-1837 (85).
    85: Echzell:
        18. [18. Pfarrer in Echzell] Christian August Hoffmann, geb. 5. April 1783 zu Darmstadt, Sohn des Kriegsrates Hans Wilhelm
             Hoffmann, 1804-1807 Mitprediger und Lehrer an der Garnisons= und Stadtschule, von 1805 an zugleich Feldprediger in
             Arnsberg, 1807-1837  Pfarrer in Großen-Linden, 1837-1855 Pfarrer in Echzell, + 13. Januar 1855.

In Pfarrer Hoffmanns Amtszeit waren folgende Diakone tätig: Schulte, 204:
Nach der Removierung Degens von seinem Amte als Diakon bekam 1810 die hiesige Stelle Georg Ludwig Boisenherz, der vorher Pfarrer zu Watzenborn gewesen war. Er war erst 35 Jahre alt, als er in der Nacht vom 13. auf den 14. Oktober 1815 ohne vorhergehendes Krank- sein eines plötzlichen Todes starb. Noch nicht acht Monate hatte er im Ehestande, neun Jahre im geistlichen Dienst und fünf Jahre hier als Diakon gelebt. Er war am 19. Februar 1781 geboren.

Diehl, HS, I, 249:
16. Georg Ludwig Beisenherz von Fronhausen a. d. Hardt, Sohn des Pfarrers Johann Kaspar Beisenherz, Immatr. Gießen 4. April  1799, 1806-1810 Pfarrer in Watzenborn, 1810-1815 Diakonus in Großen=Linden, + 14. Oktober 1815.

Der nächste Diakon wird nur bei Diehl erwähnt, Schulte nennt ihn nicht:
Diehl, HS, I, 249:
17. Karl Ludwig Snell von Gießen, 1816-1825 (20).
      20. Dornheim 
            16. Karl Ludwig Snell von Gießen, Sohn des Pädagoglehrers Karl Philipp Michael Snell, 1804-1812 Rektor in Alsfeld, 1812-1816
              Pfarrer in Bernsburg, 1816-1825 Diakonus in Großen=Linden, 1825-1850 Pfarrer in Dornheim, + 26. Februar 1850.

Als folgenden Diakon nennt Diehl, HS, I, 249:
18. Ludwig August Heinrich Römheld von Meiches, 1829-1836 (47).
      47. Königstädten: 
 
           24. Ludwig August Heinrich Römheld, geb. 10. Mai 1797 zu Meiches, Sohn des Pfarrers Konrad Daniel Römheld, 1821-1829
              Pfarrer in Leihgestern, 1829-1836 Diakonus in Großen=Linden, 1836-1847 Pfarrer in Ulrichstein, 1847-1866 Pfarrer in
              Königstädten, + 22. Dezember 1866.

Dazu schreibt Schulte: Im Jahre 1825 wurde vom Großherzog die Pfarrstelle von Allendorf zu Großen-Linden aufgelöst und dem damals amtierenden Pastor Hoffmann die interimistische Verwaltung der mit der Pfarrstelle zu Allendorf verbundenen Diakonatsgeschäfte übertragen. Pfarrer Römheld in Leihgestern wurde mit der interimistischen Verwaltung der Pfarrgeschäf-te betraut. Außerdem wurde angeordnet, daß sämtliche Äcker und Wiesen der zweiten Pfarrei unzertrennt verpachtet und das zweite Pfarrhaus nebst dem Garten verkauft würden (27. April 1825). ...

Die zweite Pfarrei wurde wiederhergestellt, wobei ich allerdings im Zweifel bin, ob sie im staatsrechtlichen Sinne überhaupt existiert hat, da ein besonderes Wiedereinsetzungsdekret des Großherzogs, der sie doch aufgelöst hatte, unter den Akten nicht vorliegt.

Am 29. Oktober 1829 wurde Ludwig Römheld von Leihgestern als Diakon auf die hiesige zweite Pfarrstelle berufen. Er war zugleich Pfarrer von Leihgestern. 1836 wurde er als Pfarrer nach Ulrichstein versetzt. Er schrieb in das Salbuch von Ulrichstein, er habe sich darum von Großen-Linden weggemeldet, um dem ersten Pfarrer Christian August Hoffmann, des Oberkriegsrates von Darmstadt Sohn, der schon drei seiner Vorgänger und seine Nachbarn mit Krieg überzogen habe, das Feld zu räumen.

Über seinen Nachfolger Johann Andreas Weitzel, der von 1836 bis 1843 hier Diakon und Pfarrer von Allendorf war, weiß ich nur zu berichten, daß er vorher Pfarrer zu Gelnhaar war. Er starb hier im Alter von 58 Jahren.

Diehl, HS, I, 149:
19. Johann Andreas Weitzel von Büdingen, Sohn des Konrektors Ludwig Friedrich Weitzel, 1814-1815 Elementarlehrer in Büdingen, 1815-1824 Mitprediger in Ortenberg, 1824-1836 Pfarrer in Gelnhaar, 1836-1843 Diakonus in Großen=Linden, + 2. Februar 1843.

Georg Ludwig Theodor Eigenbrod, 1837-13.09.1850.
* ??.??.1773, Beienheim;  + 13.09.1855.

Zu Pfarrer Eigenbrod findet sich bei Schulte:
Von 1837 bis 1850 bekleidete Georg Ludwig Theoder Eigenbrodt das Amt des ersten Pfarrers. Er kam von Södel hierher. Den größten Teil seiner Amtszeit über war er ein kranker Mann, weshalb ihm Vikare beigegeben wurden. Der erste war Wihelm Breidenstein, der 1842 kam und 1848 starb. Ihn ersetzte Siegmund Henrici von 1848 an. Er war das Kind einer Mischehe, der Vater evangelisch, die Mutter katholisch. Der Vater starb früh, um so größer wurde der Einfluß der Mutter. Er wurde evangelischer Theologe. Von 1848 bis Mai 1850 stand er hier als Vikar. So kurz seine Wirksamkeit hier war, das Andenken an ihn, dem die Gabe der Rede in hohem Grade gegeben war und der durch seine Frömmigkeit auf viele seiner Konfirmierten einen Einfluß ausübte, der ihr Leben hindurch währte, ist lange lebendig geblieben. Er war ein großer Freund der Erweckungsbewegung, die, von lutherischer Seite ausgehend, die Bewohner unserer Gegend aufrüttelte und besonders in Klein-Linden viele Anhänger fand. Er wurde später Pfarrer in Götzenhain und trat als solcher zur katholischen Kirche über. Als Pfarrer einer rheinhessischen, katholischen Gemeinde ist er gestorben. Als Vikar bei Eigenbrodt wurde er durch Karl Schaffuit ersetzt, der von 1848 bis 1850 bis zu dessen Tod (13. September 1850) bei ihm blieb.
[Formulierung ist mir etwas unklar.]
Es folgte eine kurze Verwaltung der Pastoratsstelle durch den damaligen Diakon Johann Christian Philipp Eckhard, bis sie mit Christian Bender wieder besetzt wurde.

Über Pfarrer Eigenbrod erfahren wir aus dieser Darstellung nur, daß er ein kranker Mann war. Auch aus anderen Quellen ist mir nichts zu ihm bekannt geworden.
In Klein-Linden scheint Pfarrer Eigenbrod die Taufen, Eheschließungen und Beerdigungen meist den Vikaren überlassen zu haben, die Einträge stammen oft von ihnen. Dabei fällt auf, daß der „Pfarrvicar“ Henrici eher „lässige“ Einträge tätigt, oft sind die Vornamen der Frauen verkürzt, manchmal auch falsch. Auch eigenwillige Zählung der Kinder kommt vor, z. B. Nr. 10876. Für diese Zeit völlig unüblich, werden gleichnamige Elternpaare nicht eindeutig gekennzeichnet durch Zusätze, so daß in seiner Zeit noch einmal genealogische Unsicherheiten auftreten.

Im Familienbuch Großen-Linden wird Pfarrer Eigenbrod nicht genannt. Das Familienbuch endet um 1807, sodaß alle weiteren Pfarrer nicht mehr genannt sind.

Diehl, HS, I, 247:
16. Georg Ludwig Theodor Eigenbrod, geb. 1773 zu Beienheim, Sohn des Pfarrers Christian Aegidius Eigenbrod, Immatr. Gießen 29. Oktober 1790, 1800-1816 Pfarrer in Assenheim, 1816-1837 Pfarrer in Södel, 1837-1850 Pfarrer in Großen=Linden, + 13. September 1850.

Zu den oben genannten Vikaren erfahren wir bei Diehl nichts, sie sind nicht genannt, zu dem letztgenannten Diakon: (HS, I, 249)
20. Christian Eckhardt, geb. 10. Mai 1805 in Kirch=Göns, Sohn des Pfarrers Christian Andreas Eckhardt, 1826-1830 erster Lehrer der Privatlehranstalt in Biedenkopf, 1830-1837 Vikar in Pohl=Göns, 1837-1843 Pfarrer in Nieder=Weidbach, 1843-1857 Diakonus in Großen=Linden, * 25. März 1857.

Schulte schreibt zu ihm: Ihn [Johann Andreas Weitzel] ersetzte Johann Christian Philipp Eckhard von 1843 bis 1857 als Diakon. Er war geboren am 10. Mai 1806 zu Kirchgöns. Von 1830 bis 1837 war er Pfarrvikar zu Kirchgöns, dann Pfarrer zu Nieder-Weidbach im Kreise Biedenkopf und vom 10. Dezember 1843 an hier Diakon und Pfarrer zu Allendorf. Unter ihm wurde die Kirche zu Allendorf und das zweite Pfarrhaus neu hergerichtet. Er hat sich durch die Besserung des zweiten Pfarrgutes sehr verdient gemacht. Er starb hierselbst am 25. März 1857.

Über den oben genannten Vikar Siegmund Henrici und seine Tätigkeit in Klein-Linden berichtet auch Pfarrer O. Lenz 1914 in der Denkschrift zum sechzigjährigen Jubiläum des Posaunenchors Klein-Linden (nach Hinweis und Abschrift Hugo Weigel):

Die Erweckung in Klein-Linden und der Anfang der Versammlung.

Es war im Jahre 1848. Die Predigt Des Evangeliums von Christo Dem Gekreuzigten und Auferstandenen war fast stumm geworden. Wie anderwärts so auch im Hessenlande. Der Rationalismus beherrschte mit seiner religiösen Dürftigkeit und oft mit einer erklärten Feindschaft gegen alles biblische Christentum fast alle Kanzeln des Landes. Die sehr kleinen Häuflein von Gläubigen, die sich wie z.B. in Darmstadt in Privathäusern zur Erbauung zusammenfanden, hatten seither unter der Verordnung vom 10. Juni 1835 gelitten, welche die Privaterbauungsversammlungen untersagte. Dieser Erlaß wurde 1848 aufgehoben, und damit wurde diesen Versammlungen eine größere Bewegungsfreiheit gegeben. Gesetzlich war ihnen nun nichts mehr anzuhaben. Für die öffentliche Meinung gehörten sie noch lange zu den verbotenen und schändlichsten Dingen.

In Kl.-Linden fanden sich in jenem Jahre von diesen Anzeichen eines unter Schutt und Asche glimmenden geistlichen Lebens noch keine. Da kam der Vikar Henrici nach Gr.-Linden und versah von dort aus das Filialdorf Kl.-Linden. Er stammte aus Waldmichelbach, wo sein Vater Arzt war. Sein Vater war evangelisch, seine Mutter katholisch. Auch er selber ist später zur katholischen Kirche übergetreten, nachdem er verhältnismäßig kurze Zeit in Gr.-Linden und dann noch einige Jahre in Götzenhain gestanden hatte. Wenn wir es auch beklagen müssen, daß er diesen Schritt getan, so dürfen wir ihm deshalb die Anerkennung und die Dankbarkeit nicht vorenthalten, die ihm gebührt. Er ist in Kl.-Linden ein gewaltiger und treuer Zeuge der Wahrheit gewesen. Und die Erweckung in Kl.-Linden, die bis heute von vielen gesegnet wird, geht auf ihn und sein unerschrockenes Wirken zurück. Er hat eine besondere Gabe besessen, harte und schlafende Herzen zu erschüttern und aufzuwecken. Gläubige zu pflegen und weiterzuführen, soll weniger seine Sache gewesen sein. Aber vorerst war auch dieses gerade das nötigste, daß die in Schlaf Gebannten durch klingenden Wächterruf aufgeschreckt wurden. Alsbald begann dieser Mann das Wort der Buße gewaltig zu predigen nach der Schrift. Das war etwas ganz Neues und Unerhörtes. Und diese Predigt des göttlichen Wortes konnte nicht unwidersprochen bleiben. Doch Henrici ließ sich nicht einschüchtern und predigte das Wort Gottes weiter.

Christian Bender, 1851-22.07.1854.
* 11.01.1799, Villingen;  + 22.07.1854, Großen-Linden.

Er war vorher Pfarrer zu Sprendlingen (Rheinhessen) gewesen und hatte dort das Amt eines Dekans bekleidet. Auch hier wurde er Dekan des Dekanats Großen-Linden. Aber seine Wirksamkeit war kurz. Er starb schon am 22. Juli 1854 im Alter von 55 Jahren. Noch nicht zwei Monate später folgte ihm seine Frau im Tode.

Diehl, HS, I, 248:
17. Christian Bender, geb. 11. Januar 1799 zu Villingen, Sohn des Pfarrers Wilhelm Ernst Bender, 1819-1829 Rektor in Grünberg, 1829-1834 Pfarrer in Alten=Buseck, 1834-1851 Pfarrer in Sprendlingen (Rheinhessen), 1851-1854 Pfarrer in Großen=Linden, + 22. Juli 1854.

Christoph Conrad Georg Koch, 10.06.1855-31.10.1874.
* 05.01.1802, Ortenberg;  + 31.10.1874, Großen-Linden.

Sein Nachfolger war Christoph Conrad Georg Koch, der in Ortenberg am 5. Januar 1802 geboren war. In Gießen besuchte er das Pädagogium (später Gymnasium) und die Universität, war 1825 Pfarrverwalter zu Mittel-Seemen, von 1832 an Pfarrer und Dekan des Dekanats Laubach in Wetterfeld, dann 1849 Pfarrer und Dekan zu Vöhl, endlich seit dem 10. Juni 1855 Pfarrer und Dekan zu Großen-Linden. Als er 1869 das Amt eines Dekans nieder-legte, bekam er den Titel Kirchenrat. Er starb am 31. Oktober 1874 und liegt mit seiner Ehe-frau in einer Grabstätte bei dem Portal der Kirche. In seiner Wetterfelder Zeit hat er eine Anzahl von Wohlfahrtsgründungen ins Leben gerufen: ein Schiedsgericht, einen Mäßigkeits-verein und die Witwenkasse für Beamte und Geistliche der Grafschaft Laubach. Der Sinn zu helfen, wo Not war und etwas besser gemacht werden konnte, hat ihn auch in Großen-Linden ausgezeichnet.

In seine Amtszeit fiel die Einweihung der neuen Kirche in Klein-Linden am letzten Sonntag im Oktober, dem 28.10.1866. 

Diehl, HS, I, 248:
18. Georg Koch, geb. 5. Januar 1802 zu Ortenberg, Sohn des Hofkammersekretärs Koch, 1825-1833 Pfarrer in Mittel=Seemen, 1833-1849 Pfarrer in Wetterfeld, 1849-1855 Pfarrer in Vöhl, 1855-1874 Pfarrer in Großen-Linden, + 31. Oktober 1874.

In Pfarrer Kochs Amtszeit waren zwei Diakone tätig:

Ihm [Diakon Eckhard] folgte im Dienst als Diakon und Pfarrer zu Allendorf Friedrich Heinrich Welker, der am 26. August 1814 zu Pfungstadt geboren war. 24 Jahre alt, war er zuerst Pfarrvikar zu Kirchberg/Lahn. Am 24. Oktober 1843 wurde er Pfarrer zu Watzenborn, Steinberg und Garbenteich und am 11. Oktober 1857 in den hiesigen Dienst eingeführt. Von 1872 an war er Pfarrer zu Kirchberg. 1884 wurde er pensioniert. Er hat die Chronik der zweiten Pfarrei 1858 angefangen und mit großer Sorgfalt und Fleiß, was er über deren Geschichte erfahren konnte, zusammengetragen.

Friedrich Jakob Ludwig Henkelmann wurde 1873 sein Nachfolger. Er war zu Beuern am 4. März 1824 als Sohn des dortigen Schullehrers geboren. Von 1849 bis 1850 war er Hauslehrer bei den Töchtern des hiesigen Pfarrers Eigenbrodt, von 1850 bis 1853 Vikar in Dautphe, Kreis Biedenkopf, 1855 bis 1860 Vikar, später Verwalter von Dodenau, bei Battenberg, von 1860 bis 1872 zweiter Pfarrer zu Münzenberg und von 1873 bis 1887 hier Diakon und Pfarrer zu Allendorf. Am 10. April 1887 ist er hier gestorben.

Zu diesen beiden Diakonen finden wir bei Diehl, HS, I, 249 + 269:
21. Friedrich Welcker von Pfungstadt, 1857-1872 (71).
     71. Kirchberg:
          13. Friedrich Heinrich Welcker, geb. 26. August 1814 zu Pfungstadt, Sohn des Marschkommisars Karl Ludwig Welcker,
             1838-1843 Vikar in Kirchberg, 1843-1857 Pfarrer in Watzenborn, 1857-1872 Pfarrer in Allendorf a.d.L. und Diakonus in
             Großen=Linden, 1872-1884 Pfarrer in Kirchberg, pensioniert 1884, + 28. Mai 18887 in Wörrstadt.

22. Ludwig Henkelmann, geb. 4. März 1824 zu Beuern, Sohn des Lehrers Henkelmann, 1850 Vikar in Altenschlirf, 1850-1854 Vikar in Dautphe, 1855 bis 1860 Vikar in Dodenau, 1860-1872 zweiter Pfarrer in Münzenberg, 1872 bis 1880 Pfarrer in Allendorf a.d. Lahn und zweiter Pfarrer in Großen=Linden, 1880-1887 Pfarrer in Messel, + 10. April 1887.

Die bei Schulte und Diehl differierenden Angaben zu seiner Amtsdauer habe ich nicht überprüft.

Hermann Hüffel, 12.09.1875-18.05.1885. 
* 26.08.1819, Lich;  + 18.05.1885, Großen-Linden.

Bei Schulte heißt dieser Pfarrer Philipp Ludwig Hermann Hüfeld. Er schreibt zu ihm: Er war ein Pfarrerssohn aus Lich, geboren am 21. August 1819. Er besuchte das Gymnasium zu Darmstadt und studierte auf den Universitäten Heidelberg und Gießen Theologie. Vom 1. August 1846 an war er erster Pfarrgehilfe zu Lich, wo er auch als Lehrer an dem von seinem Vater geleiteten Institut wirkte. Er war 1847 Vikar in Dexheim, 1848 in Battenfeld und 1853 in Arheiligen, 1856 Pfarrer zu Wirberg und vom 12. September 1875 an Pastor zu Großen-Linden. Am 18. Mai 1885 verschied er infolge eines Herzschlags. Er liegt auf dem sogenannten „alten Friedhof“ an der Bahnhofstraße. Er war eine in sich gekehrte Natur, doch entgegenkommend, wohlwollend, immer zur Versöhnung bereit, ein Freund guter, besonders geistlicher Musik, ein treuer Seelsorger, guter Kanzelredner und gewissenhafter Berater, ein unentwegter Verkünder des Wortes Gottes im streng lutherischen Sinne.

Diehl, HS, I, 248:
19. Hermann Hüffel, geb. 26. August 1819 zu Lich, Sohn des Konrektors Heinrich Christian Hüffel, 1846-1847 Pfarrgehilfe in Lich, 1847-1849 Vikar in Dexheim, 1849-1853 Vikar in Battenfeld, 1853-1856 Vikar in Arheiligen, 1856-1875 Pfarrer in Wirberg, 1875-1885 erster Pfarrer in Großen=Linden, + 18. Mai 1885.

Nach Diehl, HS, I, 249, tritt in der Amtszeit dieses Pfarrers der 23. Diakon sein Amt an:
23. Ernst Schönhals, geb. 19. September 1835 zu Simmersbach, Sohn des Pfarrers Johannes Schönhals, 1858-1861 Vikar in Armsheim, 1861-1862 Verwalter in Waldmichelbach, 1862-1863 Verwalter in Flonheim, 1863-1864 Verwalter in Wolfsheim, 1864 Vikar in Partenheim, 1864-1865 Vikar in Waldmichelbach, 1865-1867 wieder Vikar in Partenheim, 1867-1868 Vikar, 1868 bis 1881 Pfarrer in Ober=Eisenhausen, 1881-1903 Pfarrer in Allendorf an der Lahn und zweiter Pfarrer in Großen=Linden, + 30. April 1903.

Schulte schreibt zu ihm: .... Ernst Schönhals, den der Schreiber dieses noch persönlich gekannt hat und von dem ich das noch weiß, daß er ein lebhafter und sehr beredter Anhänger des evangelischen und ein scharfer Gegner des römisch-katholischen Kirchenwesens war. Er wanderte gern und viel und selbst in seiner Studierstube war er selten auf einem Stuhle oder Sofa anzutreffen. Er war geboren am 19. September 1833 zu Grebenau [unklar, welche Geburtsangabe nun stimmt] und starb in Großen-Linden am 30. April 1903, zweieinhalb Jahre nach dem Tod seiner Ehefrau Mathilde, geborene Schmeel.

Adolf Hepding, 04.05.1886-??.11.1905.
* 09.(23.?)06.1849, Offenthal;  + 02.07.1917, Gießen.

Schulte schreibt zu ihm:
...Gustav Adolf Hepding, geboren am 23. Juni 1849 zu Offenthal bei Darmstadt. Er besuchte zuerst die Realschule, dann das Gymnasium in Darmstadt und studierte von 1869 an in Gießen Theologie. Nach dem Besuch des Predigerseminars zu Friedberg war er zuerst Pfarrvikar in Stumpertenrod (1874) und dann in Nieder-Saulheim. 1877 wurde er Pfarrer zu Ulrichstein und am 4. Mai 1886 Pastor zu Großen-Linden. Vom November 1905 an war er Pfarrer in Hausen. Er starb am 2. Juli 1917 in der Gießener Klinik.

Ein Leben voll Arbeit lag hinter ihm. Großen-Linden und Klein-Linden, das Filial, waren stark angewachsen. Die Gründung der hiesigen Kleinkinderschule sowie der Krankenschwesternstation sind sein Verdienst. Auch die Vorarbeiten zum Umbau der hiesigen Kirche sind ihm zu danken.

Nach einer Aufzählung der schriftstellerischen Arbeit von Pfarrer Hepding schließt Schulte:
Ein trefflicher Pfarrer, der mit seinen Gemeinden im besten Einvernehmen stand, ein lieber Amtsbruder, ein treuer Freund der Klein-Lindener Gemeinschaft, ein dichterisch und und musikalisch veranlagter Mann ist mit ihm dahingegangen. Seine besondere Freude waren die Blumen und insbesondere die Rosen. Der an sich schon so prächtige Pfarrgarten mit seinen alten Bäumen und vielen mit großem Verständnis geschaffenen Lauben, Bänkchen und Verstecken erhielt durch ihn und seine Frau eine gute Pflege.

Der Nachfolger Hepdings ist der Verfasser dieses Buches, Otto Oskar Schulte.

Auf den Seiten 198 und 199 sind zwei vor dem Kirchenportal Großen-Linden aufgenommene Fotos zu finden:
Konfirmation 1900 mit Pfarrer Adolf Hepding
Konfirmanden von Großen-Linden mit Pfarrer Adolf Hepding 1904.

In seiner Amtszeit wurde am 04.06.1896 die Kleinkinderschule (später ev. Kindergarten) Klein-Linden gegründet. 

Diehl, HS, I, 248 und 252:
20. Adolf Hepding von Offenthal, 1886-1905 (63).
     63. Hausen bei Gießen.
         21. Adolf Hepding, geb. 9. Juni 1849 zu Offenthal, Sohn des Lehrers Konrad Hepding, 1874 Verwalter in Stumpertenrod,
              1874-1877 in Nieder=Saulheim, 1877-1886 Pfarrer in Ulrichstein, 1886-1905 erster Pfarrer in Großen-Linden, 1905-1917
              Pfarrer in Hausen, + 2. Juli 1917.

Das Familienbuch Hausen nennt unter Nr. 219:
Hepding, Gustav Adolf, Pfarrer       getauft 23.6.1849   getraut         beerdigt 2.7.1917
          in Hausen 1905-1917             Offenthal                                    Gießen
V: Konrad Hepding, Lehrer
(Keine Ehe, keine Kinder angegeben).

Der letzte von Pfarrer Hepding unterschriebene Taufeintrag im Kirchenbuch von Klein-Linden stammt vom 10.12.1905. Danach unterschreiben die Taufeinträge wechselnd Ludwig Hainebach, Pfarrer von Allendorf a.d.Lahn, d. Z. Spezialvikar; Karl Knodt, Pfarrassistent zu Giessen; Gluck, Pfarrer zu Heuchelheim; Heinrich Böhmer, Pfarrer zu Treis a.d.Lda. und andere. Ab dem 11.03.1906 unterschreibt die Taufeinträge im Kirchenbuch Klein-Linden Otto Schulte, Pfarrer.

Gerade noch in Pfarrer Hepdings Amtszeit, nach Diehl (Schulte nennt andere Zeiten), trat in Großen-Linden der 24. Diakon seine Amtszeit an.

... Ludwig Hainebach, der am 19. Januar 1904 das Amt antrat (1904 bis 1928). Er war am 8. Januar 1864 als Sohn des Professors Hainebach vom Gießener Gymnasium geboren. Zuerst 1882 Pfarrverwalter zu Güttersbach im Odenwald, dann nach zwei Jahren definitiver Pfarrer daselbst, von 1886 bis 1898 Pfarrer zu Bauschheim im Dekanate Groß-Gerau, 1898-1903 zweiter Pfarrer und Diakon in Großen-Linden. Im letztgenannten Jahre wurde ihm die Pfarrstelle Leihgestern übertragen.

Diehl, HS, I, 249:
24. Ludwig Hainebach von Gießen, 1903-1915 (67).
     67. Leihgestern:
         22. Ludwig Hainebach, geb. 18. Januar 1854 zu Gießen, Sohn des Oberlehrers Johannes Heinrich Hainebach, 1882-1884
              Verwalter, 1884-1886 Pfarrer in Güttersbach, 1886-1898 Pfarrer in Bauschheim, 1898-1903 Pfarrer in Wersau,
              1903-1915 Pfarrer in Allendorf a.d. Lahn und zweiter Pfarrer in Großen-Linden, seit 1915 Pfarrer in Leihgestern.

Auch hier habe ich die unterschiedlichen Angaben von Schulte und Diehl zu seiner Amtszeit in Allendorf und Großen-Linden noch nicht weiter überprüft. Jedenfalls aber ist Ludwig Hainebach Anfang 1906 noch Pfarrer in Allendorf, denn als solcher unterschreibt er Taufeinträge im Kirchenbuch Klein-Linden, siehe oben. So auch noch einmal am 25.08.1907.

Otto Oskar Schulte, 1906-1928.
* 14.07.1861, Düsseldorf; + 06.12.1945, Großen-Linden.

Im Anhang zu dem hier oft zitierten Buch von Pfarrer Schulte berichtet Dr. med. Alfred Keßler daß Pfarrer Schulte einem alten Papiermachergeschlecht entstammte, das den Beruf seit 12 Generationen ausübte und daß seine Mutter früh verstarb. Nach dem Abitur studierte er zuerst 3 Semester Jura in Bonn und eins in Berlin, danach 4 Semester Theologie in Halle, um dann in Gießen seine 1. theologische Prüfung abzulegen. Es schloß sich das Predigerseminar in Friedberg an, danach legte er das zweite Examen ab. Erste Pfarrstellen sind bei Diehl genannt.

Dr. Keßler berichtet auch, daß Pfarrer Schulte mit Auguste Weber, *20.03.1869, +16.03.1946, verheiratet war und daß das Ehepaar 2 Söhne und eine Tochter hatte. Der älteste Sohn fiel 23jährig auf tragische Weise in Rußland; er wurde beim Verbinden seines Bruders, der einen Lungensteckschuß erhalten hatte, getötet. Auch dieser jüngere Sohn, der Arzt geworden war, starb 28jährig an einer Embolie.

Seine seelsorgerische Tätigkeit sei besonders geprägt gewesen durch die Zuwendung im persönlichen Gespräch, die er den einzelnen Gemeindemitgliedern entgegenbrachte. Ihm sei deshalb schon zu Lebzeiten Hochachtung und Dankbarkeit erwiesen worden.

Neben der Restaurierung der Großen-Lindener Kirche, abgeschlossen 1808, widmete sich Pfarrer Schulte der heimatkundlichen und kirchengeschichtlichen Forschung. Eine Auflistung aller seiner Bücher, Vorträge und Aufsätze würde Seiten füllen, schreibt Dr. Keßler.

Das hier oft zitierte Buch sollte bereits 1940 zur 1150-Jahrfeier von Großen-Linden erscheinen, bzw. 1941 zum 300. Jahrestag der Stadtordnung. Dies sei durch den Krieg genauso vereitelt worden wie die Absicht, aus diesem Anlaß ein historisches Festspiel zu schreiben.

Pfarrer Schulte trat 1928 mit 67 Jahren in den Ruhestand. Er lebte weiter in Großen-Linden und widmete sich seinen Forschungen.

Auf eigenen Wunsch wurde er am 09.12.1945 in der seiner Familie gewidmeten Ehrengrabstätte in der Südostecke des Kreuzchores der evangelischen Kirche in Großen-Linden beigesetzt.

Diehl, HS, I, 248:
21. Oskar Schulte, geb. 14. Juli 1861 zu Düsseldorf, Sohn des Fabrikbesitzers Friedrich Schulte, 1889 Verwalter, 1889-1897 Pfarrer in Engelrod, 1897-1906 Pfarrer in Beuern, seit 1906 erster Pfarrer in Großen-Linden.

----------------------------------Pfarrassistenten und Pfarrer in Klein-Linden---------------------------

Christoph Zimmermann

Ab 1908 wurde die Stelle von Pfarrassistenten versehen schreibt Rektor Hermann Rau in Klein-Linden in vergangenen Zeiten, Kirchengeschichtliches aus der ehemaligen Dorfgemeinde (Freie Presse Nr. 1, 1955).
Christoph Zimmermann, Pfarrassistent, unterschreibt einige Sterbeeinträge im KB Klein-Linden zwischen dem 07.08.1908 und dem 12.11.1908.

Rudolf Göttelmann

unterschreibt, auch als Pfarrassistent, die Sterbeeinträge zwischen dem 17.12.1908 und dem 20.12.1910.

Michel(?) Rieder

ist ebenfalls Pfarrassistent. Er unterschreibt die Sterbeeinträge zwischen dem 15.01.1911 und dem 15.03.1912. Er unterschreibt viermal mit "Michel(? nicht sicher zu lesen) Rieder, Pfarrassistent"; dann mit "Rieder, Pfarrassistent"; später nur mit "Rieder".
Davor und danach unterschreibt Pfarrer Schulte einige Einträge. 

125 Jahre Kirche Kleinlinden 1866 - 1991, Seite 15:
Im Jahre 1911 wurde unter den Pfarrassistenten Göttelmann und Rieder die Krankenpflegestation in Kleinlinden gegründet. 

Eduard Arnold Julius Bröckelmann

Pfarrassistent Bröckelmann unterschreibt Sterbeeinträge ab dem 20.08.1912. Vom 01.10.1914 bis zum 22.06.1915 unterschriebt wieder Pfarrer Schulte fast alle Einträge; zweimal "I. V. Bröckelmann". Danach unterschreibt wieder Pfarrassistent Bröckelmann, gelegentlich mit dem Zusatz "Pfarrassistent zu Klein-Linden" (Ev. Pfarramt Großen-Linden), bis zum 13. April 1917.
Er heiratet 1915 in Klein-Linden. 

Heinrich Eidenmüller

Pfarrassistent Heinrich Eidenmüller ist im Sterregister vom 27.04.1917 bis zum 12.04.1920 nachweisbar; einen Eintrag im Mai hat wieder Pfarrer Schulte unterschrieben, einen weiteren i. V. Dr. Bingel. 

Karl Irle

Pfarrassistent Irle unterschreibt vom 06.07.1920 bis zum 01.03.1921

Ackermann

"I. V.: Ackermann, Pfr." lautet die Unterschrift ab dem 31.05.1921; Anfang 1922 aber auch mehrfach "I. V. Schultheis, Pfr.".
Ab 22.05.1925 lautet die Unterschrift nur noch "Ackermann", zum letzten Mal im Sterberegister am 24.10.1926.  

125 Jahre Kirche Kleinlinden 1866 - 1991, Seite 15:
Ein weiteres bedeutsames Jahr in unserer Kirchengeschichte ist das Jahr 1922. In diesem Jahr wurde unter dem damaligen Pfarrassistenten Ackermann die Kleinlindener Frauenhilfe gegründet.

Wilhelm Göbel

Nur "I. V. Göbel" lautet die Unterschrift ab dem 19.01.1927. Seine letzte Unterschrift unter einem Sterbeeintrag stammt vom 31.08.1928 (Beerdigung). 
125 Jahre Kirche Kleinlinden 1866 - 1991, Seite 117:
Im Jahre 1927 gründete der damalige Pfarrer Wilhelm Göbel mit seiner Konfirmandengruppe den christlichen Jugendverein.

Walter Bremmer

"I. V. Bremmer Pfarrass." lautet seine erste Unterschrift im Sterberegister am 07.10.1928; zum letzten Mal unterschreibt er dort mit "Bremmer" am 10.07.1935.
Pfarrer Bremmer führte die Jugendarbeit in Klein-Linden weiter. Von ihm und seinem Vorgänger ist mir vielfach von älteren Linnesern begeistert berichtet worden.

Paul König, 01.08.1935 - 01.07.1962.
* 20.02.1897, Bellersheim; + 30.10.1979, # 02.11.1979, Klein-Linden.

Pfarrer König wurde am 20. Februar 1897 in Bellersheim als Sohn des dort amtierenden Pfarrers geboren. Er besuchte die Volksschule seiner Heimatgemeinde und anschließend bis zum Abschluß des Maturums das Gymnasium in Laubach. Von 1916 bis zum Kriegsende des ersten Weltkrieges stand er unter den Waffen und wurde auf dem westlichen Kriegsschauplatz verwundet.
  Nach dem Krieg widmete er sich dem Studium der Theologie auf den Universitäten Gießen und Tübingen und dem Besuch des Predigerseminars in Friedberg. Als Kandidat mit der blauen Schürze" ging er nach einem zweiten Examen in den Dienst der Anstalten von Bethel. Seine erste Verwendung im Pfarrdienst fand er in Ettingshausen und anschließend in Pfeddersheim in Rheinhessen, wo er am 3. Mai 1925 ordiniert wurde. Im Mai 1926 siedelte er als Pfarrer nach Groß-Eichen über und versah von dort aus auch den Dienst in den Gemeinden Lardenbach und Sellnrod. Ab 1.8.1935 wirkte er als Pfarrer in Klein-Linden und übte auch längere Zeit die Seelsorge in der Gießener Frauenklinik aus. Von 1939 bis 1946
[!] mußte er als Offizier Kriegsdienste leisten und geriet 1944 in amerikanische Gefangenschaft, aus der er 1946 wieder entlassen wurde. 
  Nach seiner Wiederaufnahme des Pfarrdienstes setzte er sich besonders für die Wiederinstandsetzung des Glockengeläutes in der hiesigen Kirche ein. Während seiner Dienstzeit wurde die Renovierung der Kirche vorgenommen und das Evang. Jugendheim erbaut. Für die Arbeit im Kindergarten und in der Krankenstation wandte er immer große Mühe auf.
  Mit dem 1. Juni 1962 trat er wegen Erreichung der Altersgrenze und gesundheitlicher Störungen in den Ruhestand, versah aber noch bis zum 1. Juli weiter seinen Dienst. 
[Aus einem Artikel im Gießener Anzeiger vom 03.07.1962.]

Pfarrer König lebte mit seiner Familie im 1934/35 erbauten Pfarrhaus Klein-Linden und blieb nach seiner Dienstzeit auch hier wohnen.
Am 01.04.1951 wurde Klein-Linden selbständige Pfarrei.

Als Vertreter für Pfarrer König werden im Sterberegister, in der zeitlichen Reihenfolge der ersten Erwähnung, genannt:
[Vorweg muß erwähnt werden, daß viele Sterbeeinträge von Pfarrer König, am zeitlich richtigen Platz, nachgetragen und unterschrieben sind. Dabei gibt er den Pfarrer an, der die Beerdigung durchgeführt hat. Wenige Male ist diese Angabe entweder vergessen, oder die Beerdigung wurde tatsächlich von Pfarrer König durchgeführt.]
Weisel, Pfarrer zu Heuchelheim  [Ab 13.10.1939; sehr oft genannt; eigene Einträge, aber auch nachgetragen.] 
Phil. Otto...[?], Pfr. i. R.                  [Einmal; es gibt weitere unleserliche Unterschriften und Nachträge.] 
Schultheiß, Pfr. i. R.                       
[Sehr oft genannt; eigene Einträge, aber auch nachgetragen.] 
Ludwig, Pfr.
(Gießen)                     [Einige eigene Einträge, aber auch einige Male nachgetragen.]
Jost (Pfarrer in Gießen)              [Wird in nachgetragenen Einträgen genannt.] 
Welther [Gießen)                            [Zweimal nachgetragen; einmal "Pfarrer" im Vordruck gestrichen.] 
Germer (Pfr. in Gr.-Linden)         [Für 11.10.1942 nachgetragen.] 
Schmidt (Pfarrer in Gießen)         [Einmal nachgetragen.]

Die Opfer des Bombenangriffs vom 06.12.1944 werden im Sterberegister nicht erwähnt. Ihre Namen und die Abschrift der Predigt, die Pfarrer Schultheiß 5 Wochen später am Massengrab hielt, sind in Hugo Weigels Denkschrift Eine Rückschau nach 60 Jahren zu finden.

Bis zum 15.09.1945 führt Pfarrer Weisel zwei Beerdingungen durch; sonst ist immer Pfarrer i. R. Schultheiß tätig.
H. Schäfer, Pfr. (Leihgestern) unterschreibt die Einträge vom 17.10.1945 bis zum 07.02.1946;
vom 08.02. bis zum 24.04.1946 ist Pfarrer König wieder tätig. Bis zum 17.07.1947 finden sich noch einmal häufige Vertretungen.
Eine Überprüfung der Tauf- und Heiratsregister könnte ergeben, daß, außer den oben genannten, noch weitere Pfarrer in dieser Zeit in Klein-Linden tätig waren.

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[Die Liste der weiteren Pfarrer in Klein-Linden hat mir Herr Hugo Weigel überlassen:]

Pfr. Theodor Drebes, 01.04.1963 - 29.07.1973.

Pfr. Klaus Rosenstock, 01.11.1973 - 31.12.1987.

Pfr. Bärbel Rosenstock, Ordination am 31.01.1977

Pfr. Michael Karg, 01.06.1988 - 31.01.2000.

Pfr. Ekkehard Landig, ab 01.09.2000. 

Eine vom 01.02.1985 bis zum 30.09.2005 bestehende Pfarrvikarstelle hatten inne:

Pfr. Eckhart Schätzel, 01.02.1985 - 31.07.1995.

Pfrin. Imogen Kasemir-Arnold, 01.01.1995 - 24.09.1996.

Pfrin. Jutta Becher, 01.01.1996 - 07.09.1997.

Pfrin. Imogen Kasemir-Arnold, 01.08.1997 - 01.06.1998.

Pfrin. Anke Stöppler, 01.09.1997 - 31.07.1998.

Pfrin. Imogen Kasemir-Arnold, 01.10.1999 - 16.04.2000 und 01.07.2001 -30.09.2005.

Eine halbe Stelle (Vertretung / Dekaneentlastung) hatten inne: 

Pfr. Michael Paul, 01.10.1996 - 31.08.1997.

Pfr. Christoph Schulze Gockel, 01.07.1998 - 31.01.2001.

Pfr. Michael Paul, 16.06.2000 - 31.07.2000.

Pfr. Ralf Kirschke, 01.02.2001 - 30.06.2001.