Die Hebammen in Linnes

 

 

Catharina Eckhardt, wurde um 1610 geboren und starb am 27.02.1683. 

Sie heiratete um 1631 Hanß Lentz, geboren um 1600, gestorben am 05.10.1690.

Nach einem Eintrag im Protocollum Vigelii war sie vermutlich Hebamme in Linnes.

Auf der Seite fehlt ein kleine Dreieck links, Eintrag vom 25.03.1659; bzw. oben rechts, Rückseite, Eintrag vom 29.03.1659.

[In Klammer] habe ich die vermutlich fehlenden Worte ergänzt. Außerdem ist die Seite stark verfärbt und verblaßt, teilweise mit Taubendreck(?) verschmutzt.

 

den 29. Mart. (1659) Habe ich [Catharinen] Hans Lentzen frawe [ein ....]

Zeugnus an den H. Superintendenten, dz und wie lange sie Heb[amme(?) gewe-]

sen warr, weil Joh. Eberhard Spanheimer sie pfänden wöllen, [sie(?)]

sollen, beym Superintendenten gewesen: Hette er sie ahn mich gew[iesen schrei-]

ben Zuholen, wer sie werr; wölte er darnach mit dem Rentm[. dar-]

von reden.

 

Die folgenden Hebammen waren oft Witwen oder, in einem Fall, unverheiratet.
Anna Catharina Lentz, geb. Eckhardt, starb vor ihrem Mann, wäre also als Ehefrau Hebamme gewesen, wenn der Eintrag im Protocollum Vigelii richtig gedeutet wurde.

 

 

 

Die folgenden Hebammen, bis 1875, sind durch die Kirchenbücher belegt.

 

Anna Catharina Ebert, geb. NN, vor 1704 bis 1749 Hebamme in Linnes.

 

Anna Catharina war die 3. Ehefrau von Johann Henrich Christoffel Ebert, der um 1647 geboren wurde und am 25.06.1727 starb.

Anna Catharina wurde um den 12.02.1660 geboren; das Datum ist errechnet nach der Altersangabe in ihrem Sterbeeintrag. Zu der err. Zeit gibt es keinen passenden Taufeintrag in Lindes, sie stammt also vermutlich von außerhalb. 

Die Ehe muß Ende September / Anfang Oktober 1681 geschlossen worden sein. Dazu ist aus dem Prot. Vig. nur das Aufgebot vom 09.07.1681 erhalten. In diesem Eintrag wird nur der Mann namentlich genannt.

Ihr Sterbeeintrag aus dem Jahr 1749 lautet im KB Klein-Linden:

 

Den 10ten T. Apprill ist Christoph Eberts Witw gestorben, u. d. 13 darauf begraben worden, Ihres Alters 89 Jahr 2 monath - 2 tag.

 

Im KB Großen-Linden lautet der Eintrag (Auszug):

Abends zwischen 9 und 10 Uhr als Wwe., gewesene Hebamme in Lindes, 89 Jahr, 2 Monat weniger 2 Tage.  

 

Es kann wohl davon ausgegangen werden, daß ihre beiden Nachfolgerinnen, ihre Stieftochter und ihre Tochter, ihr schon einige Zeit bei der Tätigkeit als Hebamme assistiert haben.

 

Bei dieser Anna Catharina könnte es sich, wegen der Paten aus Heuchelheim bei ihren ersten Kindern, um "Cattarina Bachmann" handeln; getauft am 02.02.1660 in Heuchelheim:

Bachmann Caspar: Auff das Fest der Reinigung Mariae hatt Casper Bachmann sein Töchterlein lassen tauffen. Die Gevattern sind dieß:

Johannes Neydels Tochter Cattarina

Andreas Muschen Tochter Cattarina

Sein Stieffvatter von Kintzenbach

und der Scheffer ..................        vocatur: Cattarina   

 

Aus einem Taufeintrag von 1704 erfahren wir

1. Sie war 1704 schon Hebamme in Linnes; ihr Mann lebte bis 1727;

    also war sie auch schon als Ehefrau Hebamme. 

2. Die Hebamme durfte, wie der Opfermann, Nottaufen vollziehen.

 

(Kl-L): Den 3 T. November sin Zweij HurenKinder gebohren auff vermelten Tag wie auch getaufft alß Zweij Töchterlein Die Mutter ist Anna Elisabetha Ebertin Christoffel Ebertzß Tochter alhir Der Vatter Ihrer Eygne aussage nach Jost Schätler Reuter Von fannen, Schmit Vnder Ihro hochchristlichen DurchLacht Von Darmstadt Diesser beiden Kinder Tauff Zeugen sind Zu dem Ersten Johann Andraß Peter Conrats Peterß Sohn alhir Wie auch Anna Maria Eliaß Mantzken Haußfrau Von Großen Linden Item daselbsten Maria Catharina Johann Jacob Hoffmanß alß opferman Dessen Ehlichen tochter, haben Ihm den nahmen Maria Catharina mitgeteilet.

Item Desen letzten Tauff Zeugen alß eine Nothtauff Margretha Johann Conrats Andermanß Witbe hat Ihm den Nahmen Margretha mitgetheilet.

 

(Gr-L): 3. Nov. ließ die Hur Elisabetha Ebertin, Christoffel Eberts tochter ein

mägdlein und zwar das älteste von mir taufen, welches Conrad Peters Sohn Andreas und dann Elias Marxen frau Anna Maria

mit Maria Catharina Hoffmannin, J. Jacob Hoffmanns des Opfermanns tochter, gehoben. Name: Maria Catharina.

das Jüngste aber, weil Zwilling, zwei Mägdlein, hatte vor meiner

Hinkunft die Kinderfrau, alß dieser Hure echte Mutter, um 3 nothgetauft, so Conrad Andermanns Wwe. Margaretha gehoben und also genannt.

[Vater:] Johann Just eine Zeitlang in Christian Schotts Haus gedient.

 

Hier ist anzumerken, daß von ca. 1700 bis ca. 1800 die KB Klein-Linden vom jeweiligen Lehrer geführt wurden; in Großen-Linden vom Pfarrer. Die sprachlichen Unterschiede in der Beschreibung eines Vorgangs sind schon interessant.

Der Ausdruck „Hure“ darf auf keinen Fall im heutigen Sinne verstanden werden. Jede Frau, die das Pech hatte, vorehelich oder unehelich schwanger zu werden, wurde als „Hure“ bezeichnet – es sei denn, sie war von „höherem Stand“.
Jost Schättler heiratete später in Großen-Linden und ist Stammvater der „Schättler“, die später auch nach Linnes kamen.

 

Anmerkungen zu den von der Hebamme vollzogenen Nottaufen:

Es scheint keine einheitliche Regelung gegeben zu haben, wenn der Täufling doch überlebte. Es kam vor, daß der Pfarrer die Taufe später noch einmal wiederholte, aber auch, daß er sie „anerkannt“ hat. In einem Fall ist erwähnt, daß „das vorgeschriebene Kirchengebet“ in einem folgenden Gottesdienst vollzogen wurde.

 

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Anna Elisabeth Wedel, geb. Ebert, 1749 bis 1752 Hebamme in Linnes.

 

Anna Elisabeth Ebert war die Stieftochter der vorhergehenden Hebamme, ihre Mutter war bei ihrer Geburt (Zwillingsgeburt, Mädchen und Junge) verstorben.

Sie wurde am 11.04.1681 geboren und am 17.04.1681 getauft.

Auszug aus dem Taufeintrag im KB Großen-Linden: 

E: Joh. Henr. Xtoph Ebert - A. Elisab. uxor -. 

Paten zur Tochter:

1. A. Cath., Balth. Wagner, bürg. z. Gießen uxor 

2. J. Daniel Reinhard

3. A. Elis., Conr. Lenz uxor

Konfirmiert wurde sie 1695 als: Elisabeth, J. Christoph Ebert Tochter.  

 

Ihr Heiratseintrag lautet:

Johann Görg Wedel hat sich Ehlich Coppuliren laßen mit 

Anna Elisabetha, Christoffel Eberts Tochter alhir.

Der breutigam soldat, Vnder dem obrist leutnant schäncken schrauten bachischen regiment geschehen Den 17 T. decmbriß 1711.

(Gr-L:) 27. xbris Johan Georg Wedel gebürtig von Oppenheimen, Musquetier unter des Hn. Obrist von Schencken Compagnie hochlöbl. Schrautenbachischen

Regimentes und

Anna Elisabeth, Johann Christoph Eberts zu KleinLindes ehel. Tochter wurden nach vorgezeigtem .... 20. xbris 1711 von Hn. General Schrautenbach unterschriebenem .... copulirt 27. xbris.

 

Johann Georg Wedel wurde err. am 07.02.1683 in Oppenheim geboren und starb am 16.03.1742 in Linnes.

 

Ihr Sterbeeintrag aus dem Jahr 1752 lautet:

d. 17ten T. Xbr: morgens Zwischen 6 und 7 uhren ist Anna Elisabetha, Georg Wedels Witw gestorben, u. d. 18ten gedachten Monats begraben worden. Ihr Alter 72 Jahr! Leich: Text. Ofen bahrung Johannes 22. Cap. 17 v.

(Gr-L:)

So. 17. Dec., 4. Advent; morgens zw. 6 u. 7 Uhr; an Auszehrung, Anna Elisabetha, weyland J. Georg Wedels Ww., die bißherige Hebamme zu Lindes, 72 Jahr.

 

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Anna Catharina Ebert, Ende 1752 bis Januar 1760 Hebamme in Linnes.

 

Anna Catharina Ebert war die Halbschwester der vorherigen Hebamme und die Tochter der oben genannten Anna Catharina Ebert.

Sie wurde am 13.04.1690 getauft. Ihre Paten waren:

1. J. Philipps Scheffer zu Großen-Linden.

2. Anna Catharina, Ludwig Weygels Tochter.

3. Anna Catharina, J. Jacob Weygels Tochter.

Sie wurde 1703 konfirmiert. Sie war unverheiratet geblieben, hatte aber ein Kind, das klein starb.

In beiden Sterbeeinträgen ist ihr Alter etwas zu hoch angegeben.

(Kl-L):

Anna Catharina Ebertin 7 Jährige geweßene Kind Frau ist Montags als den 21ten Jan. mittags Zwischen 10 und 11 Uhren gestorben und mittwochen darauff begraben worden. Ihr Alter 72 Jahr. 

(Gr-L, Auszug):

An der hitzigen Kranckheit; Anna Catharina Ebertin, die Heb-amme, 72 Jahr.   

 

 

 

Anna Margarethe Weigel, geb. Theiß, 1760 bis 1792 Hebamme in Linnes.

 

Anna Margarethe Theiß wurde am 05.10.1718 in Münchholzhausen geboren.
[Nach Ahnentafel Emil Lenz, Nr. 63, erstellt von Frau Elisabeth Lenz, Lollar.]

Sie heiratete am 18.11.1737 in Linnes, der Eintrag lautet:

Johann Ludwig Weijl jun: Ludwig Weils Sohn, Hat sich [mit]

Anna Margretha Jonas theisen Tochter von Münchholtzhausen

Copuliren laßen d. 28ten 9br. 1737

 

Sie starb am 03.08.1792 und wurde am 05.08.1792 begraben, der Sterbeeintrag lautet:  Anna Margaretha, Ludwig Weigels (Gemeindsmanns) Witwe, (und durch 32 Jahre Hebamme daselbst), ist Freijtags den 3. Aug. des morgens zw: 11. u. 12. Uhr verstorben und Sontags d. 5. Aug. beerdigt worden. Ihr Alter war 73. Jahr 10. Monat u. 4 Tag.

KB Kl-L.; (in Klammer:) Ergänzungen aus dem KB Gr-L.

 

Ihr Mann, Johann Ludwig Weigel, wurde am 01.12.1710 geboren und starb am 10.01.1761.

Sie war also schon verwitwet, als sie ihre Tätigkeit als Hebamme aufnahm.

 

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Anna Elisabetha Spuck, geb. Schaum, 1813 Hebamme in Linnes.

 

Anna Elisabeth Schaum wurde in Lützellinden, dem Heimatort ihrer Mutter, geboren und getauft; der Eintrag lautet:

A. Elisabet Schaumin.

Anton Schaumen und A. Elisabeth \geb.e/ Seipin

ehelich Töchterlein, geb. den 7ten 8bris Abends

um 6. Uhr.  Getauft den 10ten, war Dom: 18. p. Tr.

Gevattern: Joh: Georg Wenzel, Johannes Kün=

zel, A. Maria, Adam Jungen Frau, A. Elisa=

beth Schaumin von Klein Linnes.  

Konfirmiert wurde sie 1776 in Linnes:

Elisabetha, Anton Schaumen Tochter. 

 

Ihr Heiratseintrag vom 13.04.1786 lautet:

Philipp, weiland Philipp Spucken hinterl. Sohn von Annerod, Amt Hüttenberg, & Elisabetha, Anton Schaums, Schmittmeister, älteste Tochter, in der Stille.

 

Sie starb 1814, wie auch dann ihr Mann, an dem damals in Linnes „grassierenden hizzigen Nervenfieber“ (Typhus), das vom Kriegsvolk eingeschleppt worden war:

Elisabetha Spuck, Des Einwohner und Gemeindsmann Philipp Spukken Ehefrau geb. Schaumin, starb am vierund zwanzigsten Jänner Morgens zwischen acht und neun Uhr an einer hizzigen Nerven Krankheit in einem Alter von ein und fünfzig Jahren, drei Monat und acht und zwanzig Tagen.  

Merkwürdigerweise ist in ihrem Sterbeeintrag nicht vermerkt, daß sie Hebamme war.

 

Der Schneidermeister Philipp Spuck wurde am 02.01.1764 in Annerod geboren und starb am 27.04.1814 in Linnes am „hizzigen Nervenfieber“.  

 

Es ist noch unklar, ob es nach Anna Margarethe Weigel, geb. Theiß, noch eine andere Hebamme in Linnes gegeben hat.

In dieser Zeit gibt es auch Nottaufen, z. B. 1797 durch „den den zeitigen Schulmeister Franck“. 

Am 09.05.1801 wird in Linnes ein totes Kind geboren, dazu heißt es, nur im KB Gr-L, über die Mutter:

„mit einem toten Kind ins Kindbett kommen wegen Ungeschicklichkeit der Hebamme“.

Im KB Kl-L wird keine Schuld der Hebamme erwähnt.

Am 13.08.1801 heißt es im KB Kl-L:
“..., und weil Mutter und Kind kranck waren, wurde ihm von der Hebamme die Nothtauf geben, ...“. Der Name der Hebamme wird nicht genannt; der Eintrag fehlt im KB Gr-L ganz.

 

Am 11.01.1813 unterschreibt die „Hebamme, Anna Elisabetha Spuck“, den Taufeintrag eines ortsfremden Kindes, da der einzige Pate, aus Wetzlar, bei der Taufe nicht anwesend ist. Sie hat eine sehr schöne Unterschrift.

Dies ist ihre einzige, bisher bekannte, Nennung als Hebamme.

 

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Anna Elisabeth Acker, geb. Schaum, (vmtl.) 1814 bis 1841 Hebamme in Linnes.

 

Anna Elisabeth Schaum, Schwester der vorigen Hebamme, wurde am 17.11.1766 geboren; der Eintrag lautet:

Anthon Schaum, Einwohner und Schmitt alhier und Anna Elisabetha, deßen Eheweib, einer geb. Seippin von Lüzellinden, Montags als den 17ten Nov. Morgens zwischen 1. u. 2. Uhr ein Töchterlein gebohren; Mitwochs als d. 19ten ejusd. getauft. Gevattern:

1. Johannes Klingk (Klinck), Einwohner u. Gemeindsmann dahier.

2. Anna Maria, weiland Johannes Lenzen gewesenen Einwohners u. Gemeindsmanns alhier, hinterlaßene Wittwe.

3. Anna Elisabetha, weiland Johannes Zimmermanns, gewes. Einwohners und

Strumpfwebers zu Lüzellind. hinterlaßene ehel. Tochter:

haben dem Kind den xstl. Nahmen: Anna Elisabetha mitgetheilet. 

Der Konfirmationseintrag von 1781 lautet:

Festo Pentecost: Anna Elisabetha, Anton Schaums Tochter.

 

Ihr Heiratseintrag aus dem Jahr 1799 lautet:

Tobias Akker Wittwer und Gemeinsmann dahier, läßt sich mit  

Elisabetha Schaum, weijl. Anton Schaums 2ten Tochter in der Stille priesterlich Kopulieren Mittwoch den 2. October.

 

Ihr Sterbeeintrag vom 25.12.1851 lautet:

Nachmittags um fünf Uhr starb dahier Anna Elisabetha Acker, geborne Schaum, hinterlassene Wittwe von weiland Tobias Acker, Ortsbürger und Ackermann zu Kleinlinden in dem Alter von sechs und achtzig Jahren neun Monaten und neunzehn Tagen.

 

Ihr Ehemann, Tobias Acker, wurde am 13.09.1746 geboren und starb am 20.07.1821.

 

Es ließ sich bisher nicht feststellen, wann Anna Elisabeth Acker, geb. Schaum, ihren Dienst als Hebamme angetreten hat. Vermutlich wurde sie aber direkt nach dem Tod ihrer Schwester im Januar 1814 Hebamme in Linnes.

 

Bei einer Nottaufe am 04.11.1818 wird Anna Elisabeth Acker zum 1. Mal im KB als Hebamme genannt. Sie hat ihre Tätigkeit also als Ehefrau begonnen.

Auch das genaue Ende ihrer Dienstzeit ist nocht nicht bekannt; sie wird am 12.09.1841, bei einer Zwillings-Totgeburt, noch als Hebamme genannt. Dabei anwesend ist, neben anderen, auch ihre Tochter Anna Maria, verw. Luh, geb. Acker, die ihre Nachfolgerin wird.

Bei einer Totgeburt am 18.12.1842 wird diese Tochter Anna Maria als Hebamme genannt.

 

Noch eine familiengeschichtliche Anmerkung zu Anna Elisabeth Acker, geb. Schaum:

Ihre Tochter und Nachfolgerin als Hebamme, Anna Maria, 1804-1874, heiratete 1828 Adam Luh von Allendorf, 1803 bis 1837. 

Deren Tochter Maria Luh, 1836 bis 1917, heiratete 1863 den Landwirt und Flurschütz Johann Philipp Klein, dessen Nachkommen noch heute den Dorfnamen „Ackersch“ tragen.

 

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Anna Maria Luh, geb. Acker, 1842 bis 1874 Hebamme in Linnes.

 

Anna Maria Acker wurde am 13.11.1804 geboren und am 15. getauft.

Auszug aus dem Taufeintrag:

Eltern: Tobias Acker & Anna Elisabetha, geb. Schaum. / Hausnummer 51.

Paten:

1. Georg Phil. Weygel.

2. Johannes Ruppert, led.

3. Maria Elisab. Weygelin, led.

4. Anna Maria Hofmännin, led., von Allendorf.

 

Ihr Heiratseintrag am 16.08.1828; Auszug, lautet: 
... wurden in der Pfarrkirche zu Grosenlinden, ohne vorhergegangene Proclamation, weil beide Verlobten bereits ein Kind mit einander erzeugt hatten, welches am fünfzehnten Februar zu frühe und todt zur Welt gekommen war, ..., getraut und priesterlich eingesegnet:

Adam Luh, des weiland Jacob Luh, gewesenen Einwohner zu Allendorf mit seiner Ehefrau Catharina, gebohrnen Steinmüller erzeugter lediger hinterlassener Sohn, alt vier und zwanzig Jahre, sieben Monate; nat: 1803;  und 

Anna Maria Acker, des weiland Tobias Acker, gewesenen Einwohners zu Kleinlinden mit seiner Ehefrau Anna Elisabetha, gebohrnen Schaum erzeugte ledige Tochter, alt drei und zwanzig Jahre, vier Monate; nat: 1804.

 

Sie starb am 22.11.1874 und wurde am 24. begraben.

Nachmittags um vier Uhr starb Anna Maria Luh, hinterlassene Wittwe des hiesigen Ortsbürgers und Taglöhners Adam Luh eine geborne Acker, zur Zeit Ortshebamme, alt siebenzig Jahre und neun Tage.

 

Ihr Ehemann Adam Luh wurde am 24.08.1803 in Allendorf/Lahn geboren; er starb am 16.11.1837 in Linnes.

 

Sie war also schon verwitwet, als sie ihren Dienst als Ortshebamme antrat und sie hatte die Stelle bis zum Tod mit 70 Jahren inne.

 

Am 12.10.1874 wurden Drillinge in Linnes geboren; das Taufprotokoll schließt folgendermaßen ab:

Da sämtliche Taufpathen abwesend waren, und die Ortshebamme Anna Maria Luh vor Abschluß des Protocolls verstarb, so ist dasselbe von dem Kirchendiener Philipp Weigel Neunten, welcher die Rolle der Pathen vertrat, dem Vater des Kindes, dem Pfarrer Georg Koch, welcher die Taufe verrichtete und von mir dem Pfarrer Henkelmann, welcher das Protocoll abgeschlossen hat, unterschrieben worden.  

[Auch in dieser Zeit wurden die KB-Einträge also nicht sofort getätigt.]

 

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Im Protokoll einer Totgeburt vom 05.01.1875 heißt es:

Gegenwärtiges Protocoll ist von dem Vater des Kindes, der Hebamme Elisabetha Weis von Allendorf an der Lahn, welche bei der Geburt zu gegen war, ....

unterschrieben worden.  

 

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Elisabethe Jung, geb. Böcking, verw. Lenz, 1875 bis 1915 Hebamme in Linnes.

 

Ihre erste Nennung findet sich bei einer Taufe am 26.12.1875 als „normale“ Patin:

2. Elisabethe Lenz, Hebamme dahier
Sie unterschreibt mit Elisabeth Lenz.

Sie war damals schon Witwe ihre ersten Mannes, Philipp Lenz II.

                                   

Elisabetha Böcking, geboren am 21.01.1849 in Allendorf/Lda, gestorben am 17.10.1915 in Linnes, war in 1. Ehe 1873 mit Philipp Lenz II., 1848 – 1874, und in zweiter Ehe 1876 mit dem Landwirt Philipp Jung XI., 1854 – 1915, verheiratet.

 

Sie war die Mutter von Philipp Jung XVIII., Bürgermeister in Linnes von 1914 bis 1933.

 

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Elisabeth Adolph, geb. Weigel, vmtl. 1916 bis 1924 Hebamme in Linnes.

 

Elisabethe Weigel, geboren am 06.04.1862 war die nächste mir bisher bekannte Gemeindehebamme; sie starb am 16.06.1924 in Gießen.

Sie war seit 1887 mit dem Bergmann Henrich Adolph III., 1862 bis 1932, verheiratet.

 

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Soweit der momentane Kenntnisstand.

In den von mir noch nicht eingesehenen Akten der Bürgermeisterei Linnes dürfte noch mehr über die Linneser Hebammen zu erfahren sein.

Für jede Ergänzung bin ich dankbar.

 

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Zum Schluß sei noch einer Gießener Hebamme, die aus Linnes stammte, erwähnt.

 

Am 19.01.1658 wurde in Gießen die Hebamme begraben.

Otto Stumpf zitiert in seinem Familienbuch Gießen, 1642a, aus ihrem Begräbniseintrag:

 

Christ Henckels Ww. Eulalia, 62 J, „aus Lindes ist b. dieser Stadt 12 J Hebamme gewest ... 1605 Kinder zur H. Tauff getragen."

 

Das Ehepaar wird in der Wallsteuerliste von 1617 noch nicht in Linnes genannt; den Familiennamen „Henckel“ gab es hier auch noch nicht.

Deshalb kann davon ausgegangen werden, daß sie aus einer Linneser Familie stammte und daß Christ Henckel von außerhalb einheiratete.

Die Heirat muß vor dem 04.10.1618 gewesen sein, denn an diesem Tag wird sie im KB  Lützellinden als Patin genannt.

 

In den von Otto Stumpf zusammengestellten Einwohner- und Steuerlisten, Seite 30, wird das Ehepaar zweimal genannt: 

1629: Christ Henckel u. Ayla

1640: Christ Henckell u. Eyla 

 

Nach ihrem Begräbniseintrag war sie ab 1646 Hebamme in Gießen; vmtl. war ihr Mann da schon verstorben.

 

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Die früheste Hebamme unter meinen Vorfahren (vermutlich 12 X Ur-Großmutter) ist

„die Quembachin“, die 1509, „eine Amme“, und 1520, „Wehemutter“, in Leihgestern genannt wird.

 

1492: Qwembach (Quembach).

1494: Quenbach.

1496: Quenbach.

1502: Qwembach.

1509: Quenbechen, "eine Amme".

1520: Qwenbachin, Wehemutter.

 

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